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NWZonline.de Region

Ehrengast: Tribute für Timothy Bottoms

04.09.2010

OLDENBURG Die Geschichte des New Hollywood-Kinos, die in den späten 60ern mit Filmen wie „Easy Rider“ und „Rosemaries Baby“ ihren Anfang nahm und etwa eine Dekade später mit so ausufernden Projekten wie „Apocalypse Now“ und Martin Scorseses „New York, New York“ enden sollte, hat zwei gegensätzliche Gesichter. Auf der einen Seite waren diese legendären Jahre eine Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten für eine neue Generation von Filmemachern und Filmstars. Auf der anderen sollten sie sich als eine Epoche verpatzter Gelegenheiten und verpasster Chancen erweisen. Kaum jemand hat das Janusköpfige dieser Ära so sehr und auch so schmerzlich zu spüren bekommen wie der Schauspieler Timothy Bottoms. Je nachdem von welcher Seite man seine Karriere betrachtet, ist sie entweder der Stoff für ein phantastisches Märchen oder eben für ein bitteres Melodrama.

Als der am 30. August 1951 in Santa Barbara, Kalifornien, geborene Schauspieler entdeckt wurde, war er noch nicht einmal 20 Jahre alt. Der berühmte Drehbuchautor Dalton Trumbo wollte Bottoms unbedingt für „Johnny Got His Gun“, sein Debüt als Regisseur, haben. Timothy Bottoms spielt einen idealistischen Teenager, der es 1917 gar nicht abwarten konnte, in den großen Krieg zu ziehen. Etwa ein Jahr später liegt er dann in irgendeinem Militärlazarett und wird als Studienobjekt am Leben gehalten. Eine Granate hat Joe nicht nur beide Arme und beide Beine abgerissen, auch sein Gesicht ist vollkommen zerstört, und sein Gehirn wurde so stark beschädigt, dass die Ärzte dachten, er käme nie wieder zu Bewusstsein. Doch da haben sie sich getäuscht. Nun liegt er, nicht viel mehr als ein über und über in Bandagen verpackter Klumpen Fleisch, in einer Abstellkammer und hängt seinen Erinnerungen und (Alb-)Träumen nach und versucht verzweifelt, Kontakt zu den Menschen um sich herum aufzunehmen. Die einzige Regiearbeit des Pazifisten Trumbo, der lange Zeit auf Hollywoods schwarzer Liste stand, ist einer der ganz wenigen wahren Anti-Kriegsfilme in der Geschichte des Kinos. Trumbos kalte Wut und seine analytische Klarheit, mit denen er die Lügen der „Masters of War“ demaskiert, und Bottoms sensibles, zutiefst anrührendes Porträt eines Jugendlichen, der um sein Leben und sein Glück beraubt wurde, trafen damals, mitten in der Hochphase des Vietnamkriegs, direkt ins Herz Amerikas, und die Wunde ist bis heute nicht verheilt. Wie sollte sie auch angesichts all der Kriege, die seither geführt wurden und immer noch werden?

Noch im gleichen Jahr, 1971, war Timothy Bottoms dann in Peter Bogdanovichs elegischem Meisterwerk „The Last Picture Show“ zu sehen. Wieder spielte er einen Teenager, der eigentlich zu gut, zu unschuldig und vor allem zu idealistisch für diese Welt ist. Aber anders als Joe Bonham wird Bottoms’ Sonny Crawford auch selbst schuldig. Er, der eigentlich alles richtig machen will, ist eben auch nur ein Mensch mit all seinen Schwächen und Fehlern. Mit dieser Rolle, seiner zweiten, wurde Bottoms endgültig zur Ikone seiner Generation. Doch die großen Erfolge der ersten Jahre sind seither ausgeblieben. Timothy Bottoms, der in den frühen 70er Jahren die Ideale einer ganzen Ära verkörpert, ist schließlich im Lauf der Zeit genauso wie diese von seinen einstigen Weggefährten verraten worden. Aber er selbst ist nie abgestürzt. Er hat sich zwar in den letzten 20 Jahren in Filmen und Fernsehproduktionen durchschlagen müssen, in denen sein Können und seine einzigartige Sensibilität vergeudet waren. Doch gelegentlich konnte er immer wieder beweisen, dass er immer noch ganz nah am Puls Amerikas ist. In Filmen wie Gus Van Sants „Elephant“ und Tamar Simon Hoffs’ „Pound of Flesh“ wird er zur Verkörperung des schlechten Gewissens einer ganzen Nation, die heute in seinen Zügen eben auch immer die ihres Ex-Präsidenten George W. Bush erkennt.

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