OLDENBURG - Die Welt auf den Kopf zu stellen, ist eine der kniffligsten Übungen. Revolutionären gelingt das seltener, Artisten häufiger – jedenfalls, wenn sie im „Feuerwerk der Turnkunst“ auftreten. Da garantiert auch die 21. Auflage von Europas größter Turnschau Umwälzungen, Verdrehungen, Wendungen, Umstürze und Kopfstände. 4800 Zuschauer begeisterten sich am Freitagabend in der ausverkauften Weser-Ems-Halle daran. Doppelt so viele werden es an diesem Sonnabend (14 und 19 Uhr, beide Vorstellungen ausverkauft) sein.
Einen Spagat hinter den anderen setzt Andrey Romanovski, wenn er zu seinem Kamin schreitet, in dem er verschwindet. Und den Spagat zwischen der Idee der turnerischen Anregung und aktueller Präsentation von Bewegungs-Weltklasse riskiert der Niedersächsische Turnerbund immer noch. Zur Einstimmung wirbt er fürs Landesturnfest in Braunschweig. Da werden auch Zuschauer schon zu „Turntigern“.
Weitere Nummern „hautnah“ – so der Showtitel – nachzuahmen, verbietet sich jedoch. Etwas von ihren Ursprüngen verraten Artem Ghazaryan und Thomas Greifenstein am Turntisch und am Barren. Die einstigen Bundesligaturner haben ihr Hobby zum Beruf gemacht, so überzeugend, dass sie nach dem Vorjahr erneut eingeladen wurden. „Das haben wir auch mit den japanischen Gymnasten getan, ein Novum bei uns“, sagt Produktionsleiter Wolfram-Wehr-Reinhold.
„Ich hab wie blöd geübt“, verrät Moderatorin Rosemie zu Sterbefällen von Schwänen, zu staksigen Inliner-Fahrten, zu Stepptänzen ohne Fußbewegungen oder zu „I-feel-good“-Hymnen auf der Tuba. Auf Russisch, Japanisch, Chinesisch oder Ukrainisch können das auch andere von sich behaupten: die drei Akrobatik-Damen von Acro Angels, die biegsame Bodenturnerin Yulia Fadeeva, das Strapatenduo Stream Echo, die atemberaubenden Dalian Acrobats (siehe unten), die am Reck eine Frau umgarnende Troupe Rokashkov. Der Oldenburger Hendrik Strauß führt die Schönheiten einer Rhönrad-Kür vor. Die Tücken des Geräts hat er in der Trainingshalle gelassen.
Wie die Turner, Künstler, Artisten und Verblüffer tanzt auch der NTB mit seiner Show auf der Rasierklinge. Als Markenzeichen muss das „Feuerwerk“ Vertrautes bringen. Um aufreizend zu bleiben, bedarf es aber der Neuerungen. Im Erfolg, in dem bekanntlich die meisten Fehler für die Zukunft gemacht werden, hat Regisseurin Heidi Aguilar die richtigen Entwicklungen und Mischungen gestaltet. Wo lässt sich die Welt nun wohl noch ein bisschen umkrempeln? Vielleicht bei den für die Programmverbindungen wichtigen Kreationen der NTB-Showgruppe? Die Regisseurin und ihr animiertes Team werden es richten.
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