WILHELMSHAVEN - Das Kulturkarussell sei der Beginn des Wilhelmshavener Sommers, scherzte Oberbürgermeister Eberhard Menzel, als er die Veranstaltung eröffnete. Landesbühnen-Intendant Gerhard Hess attestierte dem künftigen Ruheständler „nach Beobachtung durch Talentscouts” theatralische Qualitäten und bot ihm ein Engagement bei den Silbermöwen als „höhere Aufgabe” an. Im Rathaus gebe es tatsächlich „einige gute Schauspieler“, verriet das Stadtoberhaupt.

Auf seinen Schultern ruhte dann die Begnadigung des bunten Schauspielervölkchens, das – begleitet von einem Elefanten und der Perkussionsgruppe „Sambarracuda“ – zuvor einen Demonstrationszug durch die Innenstadt veranstaltet hatte. Sie forderten unter dem Tagesmotto „Kultur ist der Hammer“ weitere Unterstützung der Kulturarbeit und verteilten Programmhefte. Die nicht ganz ernst gemeinte Demo wurde von den Polizisten „Schulz und Scholz” aufgelöst, die die „Kulturguerilla“ in Arrest nahmen.

Während im Stadttheater, durch das der Duft von frischen Waffeln der Volksbühne zog, die Orchesterklasse des achten Jahrgangs der Integrierten Gesamtschule unter der Leitung von Lothar Krug Michael Jacksons „Thriller“ spielte, warteten draußen Max und Yannis Nieweg aus Bremen mit ihrem Vater Patrick auf die Katakombenführung. Die fünf- und dreijährigen Brüder waren als Löwen geschminkt und brüllten ihren Vater an, der Ende der 90er Jahre Mitglied des Jugendclubs der Landesbühne war.

Unter der Hauptbühne, von der die Step Aerobic des SV Concordia zu hören war, lag ein Museum der zehn berühmtesten Räuber, schließlich gibt es als Weihnachtsstück „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren.

Auf der Probebühne A stellten derweil sechs Jugendliche unter Anleitung von Schauspieler Sebastian Moske einen Clown dar.

Wurde das Programm vom Theater dominiert, waren doch auch rund 20 weitere Gruppen und Einrichtungen am Kulturkarussell beteiligt. Beispielsweise die Volkshochschule, die mit Gruppen und Aktionen auch außerhalb ihres Gebäudes Flagge zeigte. Drinnen gab es viel Information, aber auch Kulinarisches und ganz viel zu sehen: Porträtzeichnen und Orientalischen Tanz, die Musikschule und die Theatergruppe.

Ganz überwältigt von der guten Nachfrage war Büchereileiter Gerhard Kühn. Von 6000 Bänden des Bücherflohmarktes war nach zwei Stunden über die Hälfte weg. „Der größte Andrang war in der ersten halben Stunde, die Leute kratzten förmlich schon vorher an der Tür”, freute er sich. Bei der Sezession Nordwest konzentrierte man sich diesmal auf die Ausstellung Anna Pennatis, die noch bis Ende August zu sehen sein wird. Der Raum war stets gut gefüllt, so Künstler Peter Geithe, man habe auch Bilder verkauft. Zum Abschluss genoss man beim Wein vor der Tür den lauen Sommerabend.

Fünf Kilogramm Reis, 25 Liter Brühe und jede Menge Scampi, Gemüse, Huhn und Herzmuscheln waren vom Spanischen Verein zu leckerer Paella verarbeitet worden. Die 80 Portionen in der Pfanne mit einem Meter Durchmesser seien im Nu weg gewesen, ebenso die 80 Scampispieße, freute sich Vorsitzender Jesus „Suso“ Freiria. Zwei Tage seien mit Einkauf und Vorbereitung zugebracht worden.

Zu spanischen Gerichten, Weinen und Sonne genossen die Gäste auch die Auftritte der Flamencotanzgruppen des Spanischen Vereins und der „Compania flamenca del mar“. Für Suso Freiria war das Wochenende mit dem Kulturkarussell noch nicht beendet. Er hatte zuhause bereits die nächste Paella für ein Fest auf dem Abenteuerspielplatz Voslapp in Vorbereitung.