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NWZonline.de Tussiblog

Karma is a bitch – diesmal nicht!

24.05.2019

Oldenburg „Das Leben ist so unfair“: So oder ähnlich habe ich es schon oft gehört, auch selbst gedacht. Sei es – in milderer Variante – wenn man beispielsweise tagelang bei bestem Wetter auf eine Gartenparty hinfiebert, und herbeigesehnter Tag selbst dann völlig verregnet ist. Oder – in kaum auszuhaltender Variante – wenn die Familienmutter, die immer für jeden ein offenes Ohr hatte, durch einen Unfall oder eine Krankheit mitten aus dem Leben gerissen wird.

Ähnlich sieht es mit dem Spruch „Karma is a bitch“ aus. Wenn etwa ein Mensch, der sich anderen gegenüber... „nicht nett“ verhalten hat, im Lotto gewinnt oder ihm sonst wie gefühlt nicht verdientes Glück zuteilwird.

Tatsächlich gibt es aber auch Gegenbeispiele. Und von denen sind mir in letzter Zeit sogar gleich mehrere begegnet. Neulich fiel etwa das Urteil gegen die beiden Kinder der Familie Schlecker: Sie müssen ins Gefängnis. Europas ehemals größte Drogeriekette Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Mehr als 25.000 Menschen in Deutschland und genau so viele im Ausland verloren ihren Arbeitsplatz. Eine von ihnen ist eine Freundin meiner Mutter; ihr hätte nach rund 25-jähriger Tätigkeit für das Unternehmen eigentlich eine hohe Abfindung zugestanden. Doch die bekam sie nie. Während für sie und ihre Ex-Kolleginnen harte Zeiten anbrachen, sie sich als die Ausgebeuteten fühlten, schienen ihnen die Übeltäter selbst ein nettes Leben mit all den Millionen zu führen. Doch jetzt, viele Jahre später, hat besagte Freundin durch das Gerichtsurteil das letzte Schrittchen auf dem Weg zu ihrem inneren Frieden erreicht, wie sie neulich erzählte.

Ein anderes Beispiel ist das von der Frau, deren Hund vor vielen Jahren einen Nachbarsjungen gebissen hatte.

Symbolbild: Pilick/dpa

Der Vater des Jungen hatte noch am selben Tag Polizei und Presse informiert. Der Frau selbst gab er keine Chance, sich zuvor in irgendeiner Form zu dem Vorfall zu äußern, sich zu entschuldigen. Von einer „Hetzjagd“ zu sprechen wäre zuviel, aber sie hatte es von da an schwer in der Nachbarschaft. In der Folge zog sie sogar um.

Und nun? Besagter Nachbar hat inzwischen selbst einen Hund. Dieser biss kürzlich einem Nachbarskind ins Bein. Tja. Die Mutter des Kindes und jeder, der aus der Nachbarschaft mit der „Frau von damals“ befreundet war, brauchte den Mann nur einen Moment länger anzusehen: Und schon lastete die Last des schlechten Gewissens tonnenschwer auf seinen Schultern. Denn im Gegensatz zu ihm hatte die Mutter des von seinem Hund gebissenen Kindes weder Polizei noch Presse verständigt – oder überhaupt irgendjemanden gegen ihn aufgehetzt. Er entschuldigte sich bei dem Kind (und die Mutter gewährte ihm diese Möglichkeit), kam für die Rechnung der zerbissenen Kleidung auf.

Und dann gibt es auch Vorkommnisse, bei denen man glaubt, binnen eines kurzen Moments den miesen Charakter eines ansonsten völlig unbekannten Menschen erfasst zu haben. Und bei denen man sich wünscht, das Schicksal möge bitte mal mit dem Zaunpfahl winken. So war ich neulich mit Mirko in einem Geschäft in Bad Zwischenahn, in dem wir an lecker duftenden Handseifen schnupperten. Offensichtlich führte der Geschäftsführer oder ein anderer Mitarbeiter gerade einen Mann durch die Räume und stellte ihm Ware vor. Dabei erwähnte er die Zusammenarbeit mit Syrien. Der Besucher fühlte sich offensichtlich besonders originell und witzig, als er das mit Sprüchen kommentierte: „Syrien, da will man ja jetzt auch keinen Urlaub machen. Da ist ja ,Bombenwetter‘!“

Grafik: Imago

Der Geschäftsführer kommentierte den dämlichen Spruch mit einem - vermutlich künstlichen – kurzen Lachen. Mirko und ich sahen uns fassungslos an. Leider waren die beiden Männer schon aus dem Raum, als wir die Sprache wiedergefunden hatten und unsererseits das Ganze kommentierten.

Habt ihr auch Erlebnisse, bei denen ihr auf ausgleichende Gerechtigkeit hofft, oder bei denen diese bereits eingetreten ist?

Hier findet ihr alle Blogbeiträge von Bonny & Claudia

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