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Praktische Überbrückungskabel

Dienstag, 2. Dezember 1941 Bewacher und Flieger arbeiten sehr gut zusammen. Merkwürdig, daß wir morgens um 4 Uhr bis gegen 7.30 an Stb (Steuerbord) immer 2 Lichter nebeneinander sehen, die trotz 2x HF (Halbe Fahrt) nicht weggehen. Erst bei 6 F bleiben sie achteraus. B.d.U. (Befehlshaber der U-Boote) fragt für 3 Boote, die vor Gibraltar operieren, Lage an. Melden am Nachmittag, als wir aus der Sicherung heraus sind, unsere eigene Lage und fügen hinzu, daß bei den hellen Mondnächten Operieren vor Gibr. (Gibraltar) aussichtslos erscheint!

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Bargsten meldete gestern abend Fliebos (Fliegerbomben) WNW (West-Nordwest) Finistère und völlige Tauchunklarheit. Erhält heute Jagdschutz und – Überwasserschutz. Laufen schnell nachhause.

Beim Prüfungstauchen Kontrolle der Batterien. Ergebnis: Batterie I gerissen und ausgelaufen, Batterie II auch an Stb, 6 Zellen gerissen. Gut, daß wir genügend Überbrückungskabel mithaben. Gehen gleich dabei, die Ausstellungen zu beseitigen, Kalkmilchspülen ist notwendig. – Bb (Backbord) Propeller schlägt stärker, 1i (Treibölbunker) macht mehr Wasser!

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Wir haben schöne Torpedos Stücke für 25 000 Mark in den Rohren. Aber kein Stück Draht für 50 Pfennig“, sagt der „Kaleun“ im Film „Das Boot“. Das Überbrücken der geborstenen Batteriezellen wird hier zur Schicksalsfrage für „Das Boot“, das Überleben der Besatzung hängt an einem Stückchen Draht.

Friedrich Grade war Leitender Ingenieur an Bord von U 96. Durch Lothar-Günther Buchheims Buch und den Film „Das Boot“ wurde die 7. Feindfahrt des U-Boots im Zweiten Weltkrieg weltbekannt. Heimlich schrieb der Oberleutnant zur See und Herzens“-Oldenburger Tagebuch. Exklusiv veröffentlicht diese Zeitung nach 75 Jahren das Tagebuch des Einsatzes vom 27.Oktober bis zum 6. Dezember 1941. Der heute 100-jährige Friedrich Grade ist der letzte Augenzeuge von U 96.

Es war anders: „Gut, dass wir genügend Überbrückungskabel mithaben“, schreibt Friedrich Grade nur Stunden nach der Beinahe-Katastrophe von Gibraltar. Die größte Herausforderung war demnach nicht die Batterie, sondern der enorme Wassereinbruch. Zwölf Tonnen Wasser mussten die Männer ohne Pressluftverbrauch aus dem Boot pumpen.

Das Glück von U 96 war, dass die beidseitig angelegten Tauchtanks, die je nach Auf- oder Abtauchen mit Pressluft oder Wasser gefüllt werden, unzerstört blieben – anders als einer der beiden gerissenen Treiböltanks direkt daneben. So blieb die Pressluft im Boot. Schon bei deren Teilverlust wären Mannschaft und U 96 vermutlich verloren gewesen.

Die Arbeit an den Batterien geht am frühen Morgen des 2. Dezember 1941 weiter. Der Kommandant vermerkt im Kriegstagebuch (KTB) für die Zeit von 20.58 bis 24 Uhr: „Getaucht, arbeiten an der Batterie“. Die Einträge im KTB bestätigen die privaten Schilderungen Friedrich Grades der Geschehnisse vor Gibraltar. So notiert der „Alte“ für die zweite Grundberührung nach der Bombenattacke: „Bei T=55 m um 00.11 Uhr mit viel Fahrt auf Grund gestoßen.“ Das sind 230 Meter weniger, als in Buch und Film „Das Boot“ angegeben.

In beiden wird der „LI“ zur zentralen Figur: „Der schlägt gleich hin! Der hat nicht mal mehr für einen Fünfer Kraft. Den könnte einer glatt umpusten“, heißt es über den pausenlos arbeitenden Ingenieur. Woraufhin „Der Alte“ die legendären Buch- und Filmworte spricht: „Gute Leute – muß man eben haben – ja, gute Leute!“

Im privaten Tagebuch Friedrich Grades sind die Dinge, die „LI“ und Mannschaft von U 96 nach den Bombenwürfen richten können, weniger dramatisch.

Genau 75 Jahre später erinnert er sich im exklusiven Interview: „Prognosen oder ähnliches haben wir nicht angestellt, sondern haben gearbeitet. Wir haben gemacht, was möglich war. Wir hatten Glück.“

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Sehr wohl dramatisch hingegen waren die äußeren Umstände, die nicht in der Hand der Besatzung lagen: das Kurven der Bewacher oberhalb des Bootes, die durch die Strömung aber weder Geräusche hörten noch das austretende Öl sichteten; die Pressluft, die unbeschadet blieb; die Ölspur des U-Bootes, die erst zehn Kilometer entfernt an die Oberfläche trat und so die Bewacher auf die falsche Fährte lockte.