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Vom Armleuchter zum Kirchenbild

Dienstag, 4. November 1941 Stehen durch das lange S-Fahren (Südkurs) in Höhe von Vigo, Spanien, SO-Kurs. Sind auf gleicher Länge wie die Azoren Insel Sao Miguel. Nehmen an, daß das Geleit östlich gefahren ist, nicht südlich, um nun schnell nach Gibraltar zu kommen.

Lesen Sie auch:Weitere Hintergrundartikel im „Das Boot“-Spezial von NWZonline.de

Friedrich Grade war Leitender Ingenieur an Bord von U 96. Durch Lothar-Günther Buchheims Buch und den Film „Das Boot“ wurde die 7. Feindfahrt des U-Boots im Zweiten Weltkrieg weltbekannt. Heimlich schrieb der Oberleutnant zur See und Herzens“-Oldenburger Tagebuch. Exklusiv veröffentlicht diese Zeitung nach 75 Jahren das Tagebuch des Einsatzes vom 27.Oktober bis zum 6. Dezember 1941. Der heute 100-jährige Friedrich Grade ist der letzte Augenzeuge von U 96.

Tauchen früh morgens um 2 Uhr, um endlich einmal ruhig liegend schlafen zu können und hoffen auf besseres Wetter nach dem Auftauchen um 09 00 Uhr. Aber es ist damit nichts! Nur noch schlechter ist das Wetter geworden! Laufen mit 190° weiter. Zum Verzweifeln, wie man so hin- und hergeworfen wird mit und in dem Boot.

Unter Wasser hörten wir gegen 8 00 Uhr die Geräusche eines nahe bei uns vorbeifahrenden U-Bootes. Das Boot Schonder, bei ihm ist Günther Seidel LI, wird vom 5.-6. Versorgung machen. Na, vielleicht kann ich seine Lotti wahrschauen, daß er später kommt. Immer ist noch nichts vom Engländer zu sehen. Eine herrliche Leistung der Engländer, dieses Geleit durchzubringen trotz 13 U-Booten und Flugzeugen.

Buchheim hörte, daß der Reichsbischoff Müller ein Buch geschrieben haben soll: „Vom Armleuchter zum Kirchenbild.“ Wie sinnig!

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Stehen in Höhe von Vigo“: Die spanische Hafenstadt ist im Zweiten Weltkrieg einer von drei Versorgungsstützpunkten der deutscher U-Boote in Spanien.

Schon vor Kriegsbeginn stationierte die Kriegsmarine mit geheimer Duldung spanischer Behörden in Vigo, Cadiz und El Ferrol deutsche Handelsschiffe für die U-Boot-Versorgung, später kam ein weiterer Stützpunkt auf den Kanaren dazu.

In Vigo liegt das Handelsschiff „Bessel“. Das Codewort für die geheime Verproviantierung lautet „Bernardo“.

„Das Boot Schonder“ (U 77), von dem Friedrich Grade schreibt, dass es „Versorgung machen“ wird, gehört wie U 96 zur 7. U-Boot-Flottille in St. Nazaire. Es wird am 7./8. November 1941 in Vigo von der „Bessel“ mit neuem Proviant versorgt, um von dort zurück nach St. Nazaire in Frankreich zu laufen.

U 96 folgt Ende November nach Vigo. In der Nacht vor dem gescheiterten Gibraltar-Durchbruch wird das Boot ebenfalls von der „Bessel“ mit 117 Kubikmeter Brennstoff und Proviant versorgt. Die Szene mit Günther Lamprecht in der Rolle des Kapitäns der „Bessel“ zeigt im Film „Das Boot“ eindrucksvoll, wie die strapazierte U-Boot-Besatzung und die Mannschaft der „Bessel“ aufeinander treffen – bevor U 96 bei der Weiterfahrt in der Straße von Gibraltar bombardiert wird.