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Die Engländer jubeln

Donnerstag, 13. November 1941 Nur Dünung herrscht noch, Wind 1-2, sonst nichts los. Werden erst morgen vormittag am Ziel sein. Höre die Gefangenenmeldung eines engl. Senders ganz zufällig ab: Korv.Kpt. Förster (501) Obltn z.S. Werner Albrink, Ltn. z.S. Hans Sittenfeld, Kiel Ob Fähnr. Saikolowski, Walter (Korvettenkapitän/Oberleutnant zur See/Leutnant zur See/Oberfähnrich zur See).

Lesen Sie auch:Weitere Hintergrundartikel im „Das Boot“-Spezial von NWZonline.de

Friedrich Grade war Leitender Ingenieur an Bord von U 96. Durch Lothar-Günther Buchheims Buch und den Film „Das Boot“ wurde die 7. Feindfahrt des U-Boots im Zweiten Weltkrieg weltbekannt. Heimlich schrieb der Oberleutnant zur See und Herzens“-Oldenburger Tagebuch. Exklusiv veröffentlicht diese Zeitung nach 75 Jahren das Tagebuch des Einsatzes vom 27.Oktober bis zum 6. Dezember 1941. Der heute 100-jährige Friedrich Grade ist der letzte Augenzeuge von U 96.

Es handelt sich hier um ein Boot, das vor etwa 6 Wochen verloren ging. – FT (Funktelegramm) bringt nichts Neues. – Moskau und Leningrad noch umschlossen, aber noch nicht eingenommen. – der General Huntzinger ist gestern mit Flugzeug verunglückt. Die Engländer jubeln.

Die ruhige Lage des Bootes ist einfach himmlisch schön. Man atmet regelrecht auf. Lese das Buch von Ashihei Hino: „Weizen und Soldaten“ zuende. Das ist ein japanisches Kriegserlebnisbuch von den China Kämpfen.

Ein Rees: Ein „Konfirmand“ (Kommandanten-Schüler), Graue, kommt auf einem Boot von Feindfahrt zurück. Er selbst meldet sich beim FloChef (Flottillenchef) folgendermaßen: „Besatzung U…geistig und politisch betreut. Kommandant mehrfach zum Angriff gezwungen!“ Nettes Ding und tatsächlich vorgekommen – In Lorient.

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Als „Rees“ am Ende des Tagebuch-Eintrags vom 13. November 1941 bezeichnet Friedrich Grade Anekdoten, die meist der Kriegsberichter Lothar-Günther Buchheim erzählt haben dürfte. Der Autor des späteren Bestsellers „Das Boot“, der auf der 7. Feindfahrt vom 27. Oktober bis zum 6. Dezember 1941 als Gast auf U 96 mitfuhr, war häufig auf den Westatlantik-Stützpunkten der deutschen U-Boote-Waffe – und bekam dort wohl viel mit.

Die Bloßstellung des Kommandanten durch den Kommandanten-Schüler („Konfirmand“) vor dessen Flottillen-Chef dürfte in den französischen U-Boot-Stützpunkten für Gesprächsstoff gesorgt haben und jetzt offenbar auch an Bord von U 96, wie der aktuelle Eintrag Friedrich Grades zeigt.

Die Anekdote weist auf ein problematisches Verhältnis zwischen dem Kommandanten und dem an Bord befindlichen „Konfirmanden“, einem Offizier, hin.

Nachdem Friedrich Grade U 96 im Dezember 1941 verlassen hatte, machte er übrigens eine ähnliche Erfahrung: Im April 1942 wurde er als „LI“ auf das U-Boot U 183 – den größeren Bootstyp IX C – beordert. Auf der ersten Feindfahrt mit diesem Boot, seiner achten insgesamt, kam es zu Spannungen mit dem Kommandanten. Friedrich Grade erinnert sich nach 75 Jahren im exklusiven Interview: „Der neue Kommandant, Korvettenkapitän Heinrich Schäfer, hatte nicht die Qualitäten von Lehmann-Willenbrock. Ich kam mit ihm persönlich nicht zurecht, wir harmonierten nicht gut. Auch die anderen Offiziere waren mit seiner Bootsführung nicht einverstanden.“

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Für solche Fälle gab es in Kiel eigens eine Personalstelle der Kriegsmarine. Weil Friedrich Grade unter dem Kommando des Kommandanten von U 183 nicht länger fahren wollte, stieg er während der zweiten Feindfahrt dieses Bootes auf hoher See auf ein anderes U-Boot um und wurde nach seiner Rückkehr als Technischer Ausbilder nach Pillau bei Königsberg beordert, wo er bis zum Kriegsende blieb.

Der Kommandant von U 183, der in Bremerhaven geborene Hans Schäfer, erkrankte in Übersee unterdessen schwer und starb. Das Boot wurde zwei Wochen vor Kriegsende von einem US-amerikanischen U-Boot torpediert, nur ein einziges Besatzungsmitglied überlebte.