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Buchheims Erzählerkiste

Freitag, 14. November 1941 80 sm (Seemeilen) sollen wir heute nach NW (Nordwest). Mit 1 Masch. LF (Langsame Fahrt) laufen wir weiter. Gottseidank stürmt es nicht mehr so unangenehm wie noch vor Tagen. Aber es steht noch eine anständige Dünung.

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Oft denke ich daran, wie es mir in 4 Wochen wohl schon ergehen wird! Hoffentlich laufen wir in Nazaire ein! Lorient wäre ja unangenehm für alle!

Ein Döntje aus Buchheims Erzählerkiste: Er erzählt einen „Politischen“ von Weiß Ferdl, geht bis dicht „an die Grenze“. Dann nimmt er seinen Stuhl, dessen Rückenlehne aus engen senkrechten Stützen besteht, hält diese vors Gesicht, wie wenn er „hinter Gittern“ stände – und tippt sich bezeichnend mit dem Finger an die Stirn. – „Die Lebensmittelmarken sind ja schön! So eine feine Einrichtung wie die Lebensmittelmarken gibt es ja sonst garnicht! Sowas wunderbares! – Wie schön, daß wir welche haben, denn mit dem bißchen, das man so hintenrum kriegt, damit kommt man ja garnicht aus!“

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

„Weiß Ferdl“, dessen Witz Friedrich Grade in seinem Tagebuch-Eintrag vom 14. November 1941 zitiert, war der Künstlername des Münchener Volkssängers und Volksschauspielers Ferdinand Weisheitinger (1883 bis 1949).

Durch seine Teilnahme an 20 Heimatfilmen in den 1930er Jahren gehörte „Weiß Ferdl“ zu den populärsten Humoristen des Dritten Reiches. Dabei galt er von früh an als Sympathisant der Nationalsozialisten mit sehr guten Verbindungen in die höchsten Funktionärskreise.

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Während des Krieges äußerte er sich zunehmend kritisch, was ihn auf direkte Veranlassung der Nazi-Größe Hermann Göring kurzfristig ins Gefängnis brachte.

Öffentlich trat „Weiß Ferdl“ bis 1943 in der Münchener Gast- und Vergnügungsstätte „Platzl“ auf, bis ein Herzleiden ihn zum Rückzug von der Bühne zwang.

Der spätere Autor des Bestsellers „Das Boot“, Lothar-Günther Buchheim, der als Gast und Kriegsberichter an Bord von U 96 war, unterhielt in München ein Atelier. Im „Platzl“ könnte er das „Döntje aus Buchheims Erzählerkiste“, von dem Grade berichtet, gehört haben. Am 14. November 1941 erzählte er den damals politisch brisanten Witz offenbar den Offizieren von U 96 um den Kommandanten Heinrich Lehmann-Willenbrock und den Leitenden Ingenieur Friedrich Grade.