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Alles Gute zum Geburtstag

Freitag, 28. November 1941 Mit vollen Bunkern, neuem Proviantbestand und mit einer guten Erinnerung an diese herzliche Aufnahme laufen wir gegen 3 50 aus. Mit beiden Dieseln frech zur Südeinfahrt raus. Lege mich schnell schlafen, denn das lange Wachen und die Biere haben mich müde gemacht.

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Um 00 00 Uhr gratulieren wir Dengel zum 25. Geburtstag. Als Geschenk vermachte ich ihm das Boot, bzw. die Aufgaben des L I an Bord. Ich selbst fahre nun als „Badegast“ mit, der Kdt. deutet an, daß ich Brückenwache mitgehen soll. Na, man tau! Schönes Wetter eben, es lohnt ein Aufenthalt auf der Brücke. Es geht südwärts nach Gibraltar zu.

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Der „LI“ Friedrich Grade hat bei Vigo übergeben, der neue „LI“ Hans Peter Dengel hat übernommen. Beide Männer sind Jahrgang 1916, beide traten 1934 der Kriegsmarine bei, beide tragen den Rang eines „Oberleutnants zur See (Ing.)“.

Friedrich Grade war Leitender Ingenieur an Bord von U 96. Durch Lothar-Günther Buchheims Buch und den Film „Das Boot“ wurde die 7. Feindfahrt des U-Boots im Zweiten Weltkrieg weltbekannt. Heimlich schrieb der Oberleutnant zur See und Herzens“-Oldenburger Tagebuch. Exklusiv veröffentlicht diese Zeitung nach 75 Jahren das Tagebuch des Einsatzes vom 27.Oktober bis zum 6. Dezember 1941. Der heute 100-jährige Friedrich Grade ist der letzte Augenzeuge von U 96.

In dem einen Jahr seit dem 4. Dezember 1940, als Friedrich Grade an Bord von U 96 kam, sind dem Kommandanten die ungewöhnlich scharfen Augen des „LI“ aufgefallen. Schon mehrfach konnte Friedrich Grade Flugzeuge rechtzeitig identifizieren, die den übrigen vier Mitgliedern der Brückenwache bis zu diesem Zeitpunkt verborgen waren. Vor der Einführung des Radars in diesem Herbst 1941 hing von der Sektoren-Überwachung aller vier Himmelsrichtungen das Leben der U-Boot-Besatzung: vier Männer, vier Richtungen, vier Stunden Brücke.

Die Ausbildung dazu ist unter den U-Boot-Männern legendär. Wieder und wieder trainieren sie in Vorbereitungslehrgängen, vier Stunden lang mit dem Fernglas regungslos zu verharren und den zugewiesenen Sektor von 90 Grad keine Sekunde aus den Augen zu lassen, schließlich könnte es das Ende des Bootes und der Besatzung bedeuten.

Fehler passieren dennoch, so auf der fünften Feindfahrt von U 96 am 5. Juli 1941. Die Brückenwache ist abgelenkt, übersieht einen Jagdverband – und U 96 sackt durch Wasserbombenverfolgung mehrerer Kriegsschiffe auf 235 Meter Tiefe. Friedrich Grade notiert an jenem Tag: „Alarm vor einem Kriegsschiff und 2 oder 3 Bewachungsfahrzeugen! Kamen gerade aus dem Frühnebel und plötzlich heraus. Hannes auf Wache! Naja, ich dachte mir schon, daß diese Wache mal was übersehen würde! Und tatsächlich war es so. Kmdt (Kommandant) kam auf die Brücke und hörte die beiden Hannes + Herting über Geschützschießen und dgl. palavern. Da gibt der Kmdt ihnen einen Stoß – an Stb (Steuerbord) kommt der Verband heran, mit bloßen Augen schon gut erkennbar!“

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Der „Kaleun“ Heinrich Lehmann-Willenbrock fürchtet offenbar eine besonders intensive Luftüberwachung vor Gibraltar. Friedrich Grade gilt als einer seiner besten Ausguck-Männer. Tatsächlich wird er zwei Tage später ununterbrochen die Brücke verstärken, sein privates Tagebuch wird detailliert berichten. Sogar der Kommandant wird Ausguck halten, im Marsch auf Gibraltar stehen sechs statt vier Mann auf der Brücke. Der Kriegsberichter Lothar-Günther Buchheim gehört offenbar nicht dazu, jedenfalls wird er in dieser sensiblen Funktion im privaten Tagebuch des „LI“ nicht erwähnt. Im Bestseller „Das Boot“ liest sich das anders. Der Ich-Autor schreibt: „Ich gehe auf Befehl des Kommandanten zusätzlich Ausguck.“