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Cabo de Hornos

Mittwoch, 3. Dezember 1941 Bis 06 Uhr ist das Arbeiten an den Batterien beendet! Eine mühsame Arbeit. E-Personal ist nun eben dran. Gegen 07 Uhr „Auf Gefechtstationen!“ Eine Stunde vorher kam ein beleuchtetes Schiff in Sicht, Spanier. Fordern mit Scheinwerfer, daß Boot mit Papieren längsseit kommt, er quittiert, setzt aber kein Boot aus, das Hin und Her dauert bis 08 00 Uhr. Geben sogar Spanisch rüber, das Groth ja vollkommen beherrscht, ohne sichtbaren Erfolg. Es stoppt weiter, das ist auch alles.

Lesen Sie auch:Weitere Hintergrundartikel im „Das Boot“-Spezial von NWZonline.de

Friedrich Grade war Leitender Ingenieur an Bord von U 96. Durch Lothar-Günther Buchheims Buch und den Film „Das Boot“ wurde die 7. Feindfahrt des U-Boots im Zweiten Weltkrieg weltbekannt. Heimlich schrieb der Oberleutnant zur See und Herzens“-Oldenburger Tagebuch. Exklusiv veröffentlicht diese Zeitung nach 75 Jahren das Tagebuch des Einsatzes vom 27.Oktober bis zum 6. Dezember 1941. Der heute 100-jährige Friedrich Grade ist der letzte Augenzeuge von U 96.

Erst auf den Hinweis: „Wenn in 10 Minuten kein Boot ausgesetzt wird, werden Sie torpediert!“ da sehen wir nach 15 Minuten ein Boot zu Wasser gehen. Ein Aal ist (Rohr 5) schon weg, ist aber Versager. Gottseidank! 10 Minuten später ist Boot mit Kapitän und Papieren längsseits. Kdt (Kommandant) läßt für die Bootsgäste Zigaretten herausgeben. Kapitän soll zunächst im Boot bleiben.

Groth und ich prüfen die Papiere: „Cabo de Hornos“ 12.000 BRT (Bruttoregistertonnen). Kapitän: José Lanz Mayora. Nach 5 Minuten wird er vom Kdten an Bord gelassen. Gehen in die Zentrale, wo er verhört wird. Ladung besteht aus wenig Kleinigkeiten, wie Grammophonplatten, Pharmazeutische Artikel, Eisenwaren, Südfrüchten. An Bord 54 Passagiere. Aus der Liste geht hervor: Leute, 40% Frauen, alle fast mit deutschen Namen wie Wertheim, Lindenstein u. dergl. Nationalität (bei 80-90% dieser deutschen Namen) nur 10% deutsche Staatsangehörige. Sonst Polen, Tschechen, Ungarn, Rumänen, Schweizer und Rumänen! Schiff fährt von La Guayra über Trinidat nach Lissabon und weiter nach Bilbao. Gegen 8 30 wird der Kapitän von Bord gegeben, nachdem er 5 Minuten in der Zentrale Auskunft über das Schiff gemacht hat. Laufen dann mit Heimatkurs weiter. Die Leute im Boot, die Spanier rufen ein „Viva Espana“ und „Heil Hitler“ noch!

Krech meldet heute mittag ebenfalls „nachts Fliegerbomben, anschl. von Zerstörer Wabos (Wasserbomben). Rückmarsch Brest. Beide Verdichter: Fundamente gerissen!“ Bestätigt auch unseren Bericht über Lage vor Gibraltar! BdU (Befehlshaber der U-Boote) gibt Weisung an Boote „Gegebenenfalls bei zu starker Überwachung nach W absetzen!“ Laufen heute aufgetaucht nach N (Norden) weiter.

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Dem Bombenangriff auf U 96 vor Gibraltar hat der spanische Dampfer „Cabo de Hornos“ vermutlich das Überleben zu verdanken. Denn der Torpedo„versager“, wie Friedrich Grade schreibt, geht mutmaßlich auf die Trefferwirkung der Fliegerbomben zurück. Der „Kaleun“ notiert im Kriegstagebuch (KTB): „Nachdem etwa eine Stunde nichts geschah, nach erneuter Aufforderung gemorst in spanisch, daß Torpedierung erfolgt, falls nicht in 10 Minuten Boot zu Wasser sei. Nach 15 Minuten Heckschuß auf gestopptes Schiff geschossen. Wird Versager, wahrscheinlich Einwirkung der Bomben.“

Der Dampfer hatte im Frühjahr 1941 an der Westküste Afrikas 73 Schiffbrüchige des englischen Dampfers „Brittania“ gerettet. Das Schiff war durch den deutschen Hilfskreuzer „Thor“ unter dramatischen Umständen versenkt worden. An diesem 3. Dezember 1941 kam die „Cabo de Hornos“ von Venezuela mit Fahrtziel Nordspanien. Die Geduld des Kommandanten von U 96 und ein technisches Versagen retten das Schiff und dessen Besatzung. „Gottseidank!“, schreibt Friedrich Grade.

Derweil kehrt die Bordroutine zurück. Der „LI“ und der Kommandant schreiben nun ausführliche Berichte über den Zustand von Boot und Mannschaft. Im Bericht des „Alten“ wird darin noch einmal deutlich, wie haarscharf die erste Bombendetonation ihn, nur wenige Sekunden allein auf der Brücke, hätte töten können. Denn später stellt sich heraus, dass auch die Brücke in Mitleidenschaft gezogen wurde: „Porzellan-Isolierung der Durchführung der achteren Antenne auf der Brücke gesprungen. Am Geschütz wurde Richtanlage mit Optik, Schieber und Trommel und Höhenrichtkranz abgerissen und an Deck geschleudert, Zurrung gebrochen.“

Nicht nur das. Im Moment, als die erste Bombe platzt, ist der „Alte“ im Turmluk, hält es in der Hand. Es ist zugleich der Moment, in dem das Boot in maximaler Geschwindigkeit und Neigung in die Tiefe kippt und sich das Luk exakt an der Wasseroberfläche befindet. Im Nachbericht liest sich das Drama dieser einen Zehntelsekunde: „Druckwelle reisst mir Turmluk aus der Hand, kann es noch eben vor Unterschneiden schliessen. Wasserguss.“ Nur einen Moment vorher auf der Brücke, hätte das den Tod des Kommandanten bedeuten können. Nur einen Moment später unter Wasser, hätte Lehmann-Willenbrock das Luk vermutlich nicht erneut gegen den Wasserdruck schließen können.

Der „PK-Mann“ Lothar-Günther Buchheim war unterdessen über das Gibraltar-Drama mit einer heiteren Tätigkeit betraut. Wie uns das private Tagebuch Friedrich Grades berichtet, arbeitete er seit Vigo an einem Bild - ein Geschenk für Kommandant Lehmann-Willenbrock.

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Wenn man sein Buch „Das Boot“ liest, überrascht es, dass der Kriegsberichter Buchheim inmitten der dramatisch und düster geschilderten Gibraltar-Umstände Zeit und Sinn für ein solch humoristisches Bild fand. Es ist das einzige Bild, von dem mit Sicherheit gesagt werden kann, dass Lothar-Günther Buchheim es an Bord von U 96 malte. Erst der Hinweis im Tagebuch Friedrich Grades führte auf die Spur des Bildes, 75 Jahre war es verschollen. Nur als Foto findet es sich im privaten, nichtöffentlichen Nachlass Lothar-Günther Buchheims. Es darf an dieser Stelle exklusiv und erstmalig von dieser Zeitung mit Zustimmung der Buchheim Stiftung Feldafing veröffentlicht werden.

„Der Alte“ stand am 4. Dezember 1941 am Ende seiner achten Feindfahrt, U 96 am Ende seiner siebten. Lothar-Günther Buchheim schrieb rechts unten in das Bild: „Kpt. Heinrich Lehmann-Willenbrock am Ende der 7./8. Feindfahrt, zum bevorstehenden 30. Geburtstag und nach einjähriger Feindfahrt U 96 herzlichst zugeeignet. In See am 4.12.41 K.G. Buchheim“.