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Die Postboje

Sonnabend, 8. November 1941 Das Wasser hat 16°C! Pirschen von unserer Randlinie, dem Vorpostenstreifen, nach S und zurück. Flieger haben den aus Freetown kommenden Geleitzug heute gesehen. Haben aber keine Peilzeichen gehört.

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Friedrich Grade war Leitender Ingenieur an Bord von U 96. Durch Lothar-Günther Buchheims Buch und den Film „Das Boot“ wurde die 7. Feindfahrt des U-Boots im Zweiten Weltkrieg weltbekannt. Heimlich schrieb der Oberleutnant zur See und Herzens“-Oldenburger Tagebuch. Exklusiv veröffentlicht diese Zeitung nach 75 Jahren das Tagebuch des Einsatzes vom 27.Oktober bis zum 6. Dezember 1941. Der heute 100-jährige Friedrich Grade ist der letzte Augenzeuge von U 96.

18 30 fahren alle Boote 160 Sm nach N, um dort auf jeden Fall auf den Geleitzug zu stoßen. Auch Flieger werden wieder dasein. Sind nun gespannt, was morgen geschieht. Mit dem Brennstoff sind wir heute eben bis zur Hälfte herunter. Um 0 Uhr 66,3 m³, werden Mitternacht also etwa 63,5 m³ haben. Immer noch eine ganze Menge.

Können zu den Mahlzeiten heute gerade noch oben bleiben. Ein wenig flaut es ab. Wind 4-5, See 3-4 gegen Dunkelwerden. Die Zeiten sind hier draußen im Westen natürlich anders als zuhause. Es wird morgens gegen 9 30 bis 10 00 Uhr hell, abends 21 25 erst dunkel. Auf Grund unserer südlichen Position ist es bei uns ziemlich lange Tag. Im Norden ist es schon schlechter.

Jeden Tag denke ich an meine Irmel. Ich möchte ihr so gerne mitteilen, was ich ihr alleine zu sagen habe, wie sehr ich sie hier draußen vermisse. Aber – es sind hier ja noch immer keine Postbojen ausgelegt, in denen die draußen stehenden Boote ihre Post ablegen. Diese wird dann von einlaufenden Booten mitgenommen. Beim Auslaufen haben der Kdt. und ich mit ernstem Gesicht gegenüber Buchheim, Dengel und Herrmann davon gesprochen.

Einordnung des Tagebucheintrags von NWZ-Mitarbeiter Gerrit Reichert

Postbojen auf hoher See. . . Humoristische Bemerkungen, Witze – auch politische – ziehen sich beharrlich durch die sieben Tagebücher Friedrich Grades, auch dem der 7. Feindfahrt von U 96 vor genau 75 Jahren, das diese Zeitung exklusiv abdruckt.

Jenseits des Alarms, der unmittelbaren Gegenwart des Krieges, scheint die Stimmung gut.

So schreibt Friedrich Grade am 30. April 1941, einen Tag nach einem Fliegerangriff mit 36 Bomben und zwei Tage nach einer Wasserbomben-Verfolgung durch gleich zwei Korvetten: „Alles fühlt sich sauwohl. Im U-Raum, in der Zentrale, im Turm und natürlich auch in der O-Messe wird gereest und nochmal gereest. Die Stimmung ist gut, hatten heute ja auch noch keinen Alarm.“

Einen Tag später, 1. Mai, ist Feiertag, zeitgenössisch „Tag der Nationalen Arbeit“. Friedrich Grade notiert: „In der Zentrale hängt aus diesem Anlaß ein Schild: „Fachschaft Seeleute – Heizer / Fachgruppe Kelleresel / Dieser Betrieb gehört der DAF („Deutsche Arbeits-Front“) an / Betriebsführer Lehmann-Willenbrock“.

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Weiter hinten befindet sich die Bordtoilette von U 96. Der „Leitende“ Friedrich Grade hat das „Schapp H“ sowohl mit einer Außenlampe für „besetzt“ versehen als auch mit einer komplizierten Apparatur innen, die Pressluft durch Wasser ersetzt.

Neben seinen Tagebüchern führte Friedrich Grade auch Technik-Büchlein, in die hinein er alle technischen Details notierte. Ganz hinten steckt in einem noch ein kleiner Zettel, die Klolektüre von U 96: „Wohltätig ist des Wassers Macht! Und hier ist sie wohl angebracht. Sie schwemmt des Daseins Schlakken fort. Und freundlich ist’s an diesem Ort, wenn stets auch der geehrte Gast, lässt keine Spur von seiner Rast.“

„Immer wird der Humor hochgehalten“, schrieb der „Alte“, Kommandant Heinrich Lehmann-Willenbrock. In den Schrecken des Krieges diente Humor als Ablenkung und Motivation. Friedrich Grade und die Crew von U 96 wehrten sich später energisch gegen die in Buch und Film „Das Boot“ gezeigte Bordatmosphäre zwischen Niedergeschlagenheit und „Bananentanz“.