DELMENHORST - Wenn die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) an diesem Sonntag in Delmenhorst ihren Festgottesdienst ausrichtet, blicken die Mitglieder auf eine ereignisreiche Zeit zurück. Der christliche Sozialverband feiert sein 100-jähriges Jubiläum – obwohl seine eigentlichen Anfänge sogar noch 20 Jahre weiter zurückliegen.

1891 wurde der Josefverein im Zuge der Industrialisierung durch den damaligen Kaplan und späteren Pfarrer Bernhard Rein gegründet. Durch den Zustrom von Arbeitern aus allen Teilen Deutschlands und osteuropäischen Ländern herrschten Wohnungsnot, schlechte Arbeitsbedingungen und ein Mangel an Fürsorge. 1911 wurde der Josefverein schließlich in den Katholischen Arbeiterverein, später in die Katholische Arbeitnehmerbewegung umbenannt.

Damals wie heute beschäftigen sich die Mitglieder mit religiöser, sozialer und politischer Bildungsarbeit. „Die KAB berät ihre Mitglieder in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen und vertritt diese gegebenenfalls vor Gericht“, erklärt die 1. Vorsitzende Käthe Stüve. Außerdem halte der christliche Sozialverband ein vielfältiges Bildungs- und Freizeitangebot in seinen verbandseigenen Häusern bereit, setze sich mit sozialpolitischen Fragestellungen auseinander und beteilige sich aktuell unter anderem an der Diskussion um die Neugestaltung der Pflegeversicherung. Darüber hinaus engagieren sich die Mitglieder für den Klimaschutz.

Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 konnte der Katholische Arbeiterverein nicht mehr in der Öffentlichkeit wirken. „Im Stillen“ wurde jedoch noch bis Beginn des 2. Weltkrieges weitergearbeitet. 1946 wurde die KAB formell neugegründet, zwei Jahre später in Delmenhorst ein Arbeitersekretariat für das Land Oldenburg eingerichtet. Mehrere Gruppen gingen in den vergangenen Jahrzehnten aus der Arbeitnehmerbewegung hervor. Bereits 1952 entstand die KAB-Frauengruppe, 1997 die Jung-KAB.

Oberbürgermeister Patrick de La Lanne hebt in einem Grußwort besonders die aktuelle Mitwirkung am Projekt „Würdenträger“ hervor, mit dem sich die KAB gegen rechtsradikale Einstellungen in der Gesellschaft richtet.