DELMENHORST - DELMENHORST - Am Himmel über dem Truppenübungsplatz an der Weverstraße drehen häufiger Turmfalken ihre Runden. So auch gestern, als Margitta Spiecker und Prof. Dr. Gerd Turowski vom Ortsverein Delmenhorst des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) eine Abordnung der Grünen-Landtagsfraktion über das Gelände führte. Der Besuch erfolgte, weil Delmenhorster Naturfreunde die Idylle in Gefahr sehen. Angesichts der Pläne der Stadt, auf Teilen des 95 Hektar großen Areals ein Gewerbegebiet auszuweisen, befürchten sie, dass die Falken bald über Supermärkte und Parkplätze statt über saftige Wiesen fliegen müssen.

Um das zu verhindern, ist der NABU nun aktiv geworden. Bei der Unteren Naturschutzbehörde hat er den Antrag gestellt, das Areal unter Naturschutz zu stellen. „Auf dem Gelände leben 79 Vogelarten. Rund 40 Prozent davon stehen auf der roten Liste“, begründete Margitta Spieker den Antrag gestern vor den Gästen aus Hannover.

Zudem gebe es auf dem Truppenübungsplatz viele gefährdete Pflanzenarten, Säugetiere und Amphibien. Damit erfülle das Areal allemal die Anforderungen eines Naturschutzgebietes, so Spiecker.

Auch für die Menschen ist das Gelände nach Ansicht des NABU in seiner jetzigen Form gewinnbringender. Als Naherholungsgebiet berge es ein enormes Potenzial, betonte Gerd Turowski. „Es gibt im ganzen Unterweser-Raum kein Gebiet, dass dafür besser geeignet ist.“

Angesichts der ohnehin begrenzten Freiflächen im Delmenhorster Stadtgebiet sei es unsinnig, in einem solch „wertvollen Bereich“ ein Gewerbegebiet auszuzeichnen. Zumal ein solches an anderer Stelle – etwa in Annenheide oder Schlutter – besser aufgehoben wäre, sagte Spiecker.

Während die Grünen-Politiker aus der Landeshauptstadt dem Ansinnen der Naturschützer durchaus Wohlwollen entgegenbrachten, hält sich das Verständnis bei der Stadt Delmenhorst in Grenzen. Gerade im Hinblick auf das geplante Gewerbegebiet sei der NABU-Antrag „nicht im Interesse der Stadt“, sagte Sprecher Timo Frers gestern auf NWZ -Anfrage.

Das Pikante daran ist, dass die Stadtverwaltung seit der Auflösung der Bezirksregierung selbst für eine eventuelle Unterschutzstellung des Gebietes zuständig wäre. Doch soweit ist es noch nicht: Im Moment prüft die Verwaltung, ob der NABU überhaupt antragsberechtigt ist. „Nach aktuellem Kenntnisstand haben wir da Zweifel“, berichtete Frers. Es scheint demnach möglich, dass die Initiative der Naturschützer scheitert, bevor sie richtig begonnen hat.