• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Wissenschaft Umwelt

Geringfügige Grillgerüche müssen toleriert werden

21.06.2008

BERLIN /MüNCHEN Der Geruch von Holzkohlefeuer und gegrilltem Fleisch hat nicht nur Freunde. Steigt er nämlich vom Balkon des Nachbarn ins eigene Wohnzimmer, ist Ärger vorprogrammiert. Um das Grillen ranken sich viele Streitigkeiten, weiß Ulrich Ropertz, Pressesprecher des Deutschen Mieterbundes. Alle Jahre wieder müssen sich Gerichte damit befassen – einheitliche Regelungen gibt es nicht. Die Auffassungen der Richter sind teilweise widersprüchlich.

Im Prinzip ist Grillen in den Sommermonaten erlaubt. Zweimal im Monat, zwischen 17 und 22 Uhr, im hinteren Teil des Gartens, meint das Landgericht Aachen (AZ: 6 S 2/02). Viermal im Jahr bis 24 Uhr entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (AZ: 13 U 53/02). Das Amtsgericht Bonn (AZ: 6 C 545/96) erlaubt in den Monaten April bis September höchstens einmal Grillen im Monat und fordert, dass die Nachbarn vorher zu informieren sind.

Für Bewohner von Mietwohnungen gelten spezielle Regelungen. Grundsätzlich gehört der Balkon zwar zur Wohnung. Es darf also auf ihm auch gegessen und gefeiert werden. Grillen ist aber eine andere Sache. Ulrich Ropertz empfiehlt Mietern, in ihrem Mietvertrag nachzuschauen, bevor sie den Grill anwerfen. Wenn dort vereinbart wurde, dass auf dem Balkon oder der Terrasse nicht gegrillt werden darf, ist diese Klausel wirksam. Mieter müssen sich daran halten, entschied das Landgericht Essen (AZ: 10 S 438/01). Fehlt der Zusatz, ist Grillen in der Regel erlaubt. Das Amtsgericht Hamburg hält jedoch Grillen auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses generell für unzulässig (AZ: 40 C 229/72).

Wer in unmittelbarer Nähe seiner Nachbarn grillen möchte, sollte sie vorher informieren und die Lärmbelästigung in Grenzen halten. Das bedeutet, dass die Nachtruhe ab 22 Uhr einzuhalten ist. Um die Qualmbelästigung zu vermeiden, können statt eines Holzkohlegrills ein Elektrogrill und Aluschalen verwendet werden, empfiehlt das Landgericht Stuttgart (AZ: 10 T 359/96).

Aber auch die Nachbarn müssen tolerant sein. Fünfmal im Jahr müssen sie sich mit dem Grillen auf dem Balkon arrangieren, urteilte das Bayerische Oberlandesgericht (AZ: 2 Z BR 6/99). Und das Landgericht Stuttgart befand, dass geringfügige Rauchentwicklung und Grillgerüche bei einer Grilldauer von etwa sechs Stunden im Jahr oder dreimal im Jahr im Rahmen des allgemeinen Toleranzgebotes angemessen sind (AZ: 10 T 359/96).

Kein Pardon gibt es allerdings, wenn der beim Grillen entstehende Qualm in konzentrierter Form in die Wohnräume der Nachbarn dringt. Hierbei droht den Verursachern ein Bußgeld wegen eines Verstoßes gegen das Landesimmissionsschutz-Gesetz. Entsprechende Urteile fällten das Oberlandesgericht Oldenburg (AZ: 13 U 53/02), das Amtsgericht München I (AZ: 15 S 2735/03) und das Oberlandesgericht Düsseldorf (AZ: 5 Ss 149/95).

Wenn sich Mitmieter gestört fühlen, können sie sich beim Vermieter beschweren und verlangen, dass er den störenden Mieter abmahnt. Ein wiederholter Verstoß gegen das Grillverbot trotz Abmahnung berechtigt den Vermieter unter Umständen zur fristlosen Kündigung (Landgericht Essen, AZ: 10 S 438/01).

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.