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NWZonline.de Ratgeber Wissenschaft Umwelt

Beruflich im Einklang mit der Natur

02.09.2017

Wangerland Es gibt Menschen, die lieben es, eins zu sein mit sich selbst und der Natur. Und es gibt Menschen, die das sogar beruflich tun. Wunderbar, dachten wir uns, denn damit stand fest, wen wir heute für Luv & Lü treffen sollten. Wie wäre es mit einem hochinteressanten Kölner, der als Ranger im Wangerland an der Nordsee lebt und arbeitet und offensichtlich eine Leidenschaft hat, und das sind Vögel!

Eine Rauchschwalbe und ein Sommergoldhähnchen hat sich der 29-Jährige daher auch auf den Arm tätowieren lassen. Seit zwei Jahren lebt er im Wangerland und arbeitet als Ranger im Nationalpark Wattenmeer. Die Natur zu bewahren, das ist sein Antrieb und es ist faszinierend zu sehen, wie Andrés Augen leuchten, wenn er über Vögel und das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer spricht.

Ein Paradies für Tiere

André Kramers Reich, der Nationalpark Wattenmeer, ist beeindruckend: ein riesiges, 345 000 Hektar großes Terrain und immerhin Deutschlands zweitgrößter Nationalpark. Für die Tiere, die hier leben, ist es ein Paradies – genauso wie für André, der hier nach dem Rechten schaut und dafür sorgt, dass dieses einzigartige Wattenmeer bestehen bleibt. Dass er so naturverbunden ist, war ihm lange gar nicht klar: „Mein eigentlicher Berufswunsch war Berufsfeuerwehrmann, daher habe ich in Köln erst mal eine Ausbildung zum Forstwirt gemacht, weil das Voraussetzung war. Während der Ausbildung habe ich schnell gemerkt, dass ich sehr gerne draußen war.“

In seiner Zeit als Forstwirt lernte André auch den einen oder anderen Ranger kennen und dachte sich insgeheim: „Das wäre genau meins!“ Aber der Beruf des Rangers ist begehrt, insofern hat sich André keine großen Hoffnungen gemacht: „Allein hier im Nationalpark kamen auf zehn ausgeschriebene Stellen knapp 400 Bewerber. Die Leute kommen aus ganz Deutschland auf diese Stellen, denn es gibt einfach viel zu wenig“, erzählt uns André.

Umso glücklicher war er, dass sein Traum wahr geworden und er nun einer von zehn Rangern im Nationalpark Wattenmeer ist und ein Gebiet betreut, das sich über 100 Kilometer erstreckt, vom südlichen Jadebusen über Wilhelmshaven, Schillig, Bensersiel bis zum Dollart. „Ich muss dieses Gebiet allein beackern und bin hier die eierlegende Wollmilchsau“, erklärt uns André und irgendwie haben wir das Gefühl, dass er dieser Herausforderung durchaus gewachsen ist.

Es ist ein Job voller Abwechslung: Zu Andrés zahlreichen Aufgaben gehört, Wege markieren, Beschilderungen erstellen, Landschaftskontrolle, Artenschutzmaßnahmen, Vogelbeobachtung, Pflanzenkartierung bis hin zu Führungen und Öffentlichkeitsarbeit. Besser geht’s kaum: „Es ist jeden Tag spannend. Und man kann im Kleinen noch was bewirken. Wir betreiben ja auch Strandbrüterschutz, wenn ein Vogel mehr wegen uns heranwachsen kann, dann ist schon viel gewonnen. Es gibt viele Arten, da ist es kurz vor zwölf. Und was weg ist, ist weg, das muss man sich vor Augen führen.“

Tatsächlich hat das, was André hier mit seinen Kollegen „im Kleinen“ bewirkt, globale Bedeutung: „Hier kommen jährlich zwölf Millionen Vögel her, und die kommen nur zu ihrem Überwinterungsgebiet durch, weil es das Wattenmeer und uns hier gibt. Mit Holland und Dänemark zusammen ist es quasi ein Wattenmeer“, erklärt uns André. Insofern ist Andrés Job keiner wie jeder andere. Und man muss mit dem Herzen dabei sein: „Sonst kannst du das nicht machen. Da vermischt sich auch vieles, Privates und Arbeit. Da fährst du auch Sonntagabend noch los, wenn was ist und zur Brutzeit muss ich schon um vier morgens hier sein.“ Zum Glück trägt Andrés Freundin, über die er sonst nichts verrät, seine Arbeit und sein Leben mit. Jetzt wollen wir aber doch mal wissen, was es mit seinen Tätowierungen auf sich hat. „Na, die Rauchschwalbe habe ich, weil es einfach tolle Viecher sind, wie die fliegen können! Und das Sommergoldhähnchen steht für alle Singvögel“, erklärt uns André.

Da klingt sie wieder durch, die Begeisterung und Leidenschaft, mit der dieser junge Ranger seinen Beruf angeht. Vom Herzblut mal abgesehen ist das Wichtigste eine scharfe Wahrnehmung: „Man muss seine Flächen kennen, nur wenn ich die kenne, nehme ich Veränderungen wahr oder auch Störungen wie eine hohe Tide zur Brutzeit.“ Um Veränderungen in seinem Terrain wahrzunehmen, kartiert André die Vögel auch: „Wo sitzen Rotschenkel? Wo sitzen Uferschnepfen? 50 bis 60 Prozent der Vogelarten haben das Problem, Flächen zu finden, wo sie brüten können. Auch Vogelzug ist ein Riesenproblem, es gibt viel illegalen Vogelfang. Länder wie Ägypten, Malta aber auch Frankreich stellen Netze und fangen Vögel, um sie zu essen oder zu sagen, ich hab’ einen tollen Vogel gefangen. Da gehen Millionen Vögel hops und wir geben hier Millionen für den Schutz von Vögeln aus, die dann bei denen im Netz landen!“

Umso wichtiger ist es, dass es Ranger wie André gibt, die letztlich Lebensretter und Tierschützer in einem sind. Eine schönere Arbeit als die im Nationalpark kann sich André nicht vorstellen: „Meine Arbeit kommt mir gar nicht wie Arbeit vor. Und das ist eigentlich unbezahlbar“. Das heißt, er hält fest, wo welche Vögel auftauchen, leben und brüten: „Das ist schon eine sehr komplexe Aufgabe. Man muss dafür auch gut hören können. Man muss lernen, sich wieder zu konzentrieren und dem Ganzen mehr Aufmerksamkeit schenken.“ Das macht er übrigens auch in seiner Freizeit. Wenn er nicht gerade in seinem Garten arbeitet, ist André unterwegs, um Vögel zu beobachten. Und gerät bei seinen Streifzügen durchs Wattenmeer immer wieder ins Staunen: „Das hier ist wirklich einmalig, aber es ist einem eben nicht klar, weil wir es ja vor der Haustür haben, aber das hier ist eine wichtige Landschaft, auch weltweit gesehen.“

„Ich bleibe hier“

Vor seiner Zeit im Wangerland war André Kramer für einige Jahre auf der Insel Borkum, das war auch sehr schön. Aber sein Zuhause ist jetzt hier, weil er sich hier so wohl fühlt. Das verstehen wir. Und die Zukunft? „Ich wüsste nicht, was mich hier wegbringen könnte“, sagt André und dann ist erst mal Stille. Irgendwo hört er jetzt ein Blaukehlchen singen. Großartig!

Ein klein bisschen neidisch sind wir dann schon, als wir uns verabschieden und den Nationalpark Wattenmeer hinter uns lassen müssen. Wir können inzwischen nur allzu gut nachvollziehen, woher Andrés Leidenschaft für diesen besonderen Landstrich kommt: „Mal ist es das Licht, das eine Salzwiese besonders schön aussehen lässt. Mal ist es eine seltene Vogelart, die man sieht. Es sind so kleine Erlebnisse in der Natur, die mich so begeistern. Wasser ist Leben, da passiert was.“ Wie wahr, André, wie wahr!

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