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NWZonline.de Sport Weitere US-Sport American Football

So geht es dem Football in Deutschland

29.01.2019

Atlanta /Berlin Der Super Bowl wird auch in Deutschland in dieser Woche wieder ein Millionen-Publikum vor den Bildschirm locken. Und wenn die US-Profiliga NFL während der Saison in London gastiert, machen sich regelmäßig tausende Fans auf den Weg. Hype oder nachhaltiges Hoch – wie ist der Status des US-Sports im einstigen Football-Entwicklungsland Deutschland?

  Deutsche Profis

Ein deutsches Trio kam in dieser Saison zwar zum Einsatz, verpasste aber die Playoffs: Equanimeous St. Brown (22) deutete in einem guten ersten NFL-Jahr bei den Green Bay Packers sein Talent an. Verteidiger Kasim Edebali (29) durfte für die Cincinnati Bengals in einem Spiel aufs Feld. Mark Nzeocha (28) von den San Francisco 49ers konnte dank reichlich Fan-Unterstützung aus der Heimat lange auf einen Einsatz im Pro Bowl der beliebtesten Profis hoffen. Ballfänger Moritz Böhringer (25), der als erster deutscher Profi direkt aus der German Football League gedraftet wurde, wartet noch auf seine Chance.

  Der Nachwuchs

Dabei will Ex-Profi Björn Werner helfen. Der Berliner vermittelt seit drei Jahren mit einem Projekt junge Spieler an Highschools und Universitäten in den USA. Nach eigenen Angaben schafften 70 europäische Talente, davon 50 deutsche, den Sprung. „Das Ziel ist es natürlich, irgendwann den nächsten Björn Werner zu finden“, sagt der 28-Jährige über sich in der dritten Person und hofft auf Spieler, die es ihm einmal gleichtun könnten. Werner war 2013 als erster Deutscher in der ersten Draft-Runde ausgewählt worden: „Aber wir verkaufen das nicht so. Ich will niemandem falsche Hoffnungen machen.“

  Der Verband

Der American Football Verband Deutschland AFVD verweist auf dauerhaften Zulauf. Seit 2008 verdoppelte sich die Mitgliederzahl fast von 32 697 auf 63 060. Davon sind circa 5000 weibliche Spielerinnen und 10 000 bis 15 000 Cheerleaderinnen. Für die Nachfrage macht AFVD-Präsident Robert Huber eine Traineroffensive verantwortlich und sieht sich nicht als Nutznießer der US-Profiliga, die in der Nacht von Sonntag auf Montag (0.30 Uhr/ProSieben) ihr Finale zwischen den New England Patriots und Los Angeles Rams austrägt. „Wir können diese sogenannte NFL-Begeisterung mit unseren Bordmitteln nicht bestätigen“, sagt er. „Unser Mitgliederwachstum ist seit zehn Jahren da. Wenn es da einen Zusammenhang geben könnte, dann, dass die NFL sich auf unseren positiven Trend draufgesetzt hat.“ Diese Argumentation ist für Ex-Profi und TV-Experte Patrick Esume bei Einschaltquoten von bis zu knapp 1,5 Millionen Zuschauern beim Super Bowl „abstrus“. Das Potenzial wird aus seiner Sicht derzeit nicht ausgenutzt: „Es ist eine Riesenchance und Deutschland verpasst sie.“ Zum German Bowl, dem Finale der German Football League, kamen vergangene Saison gut 15 000 Zuschauer nach Berlin. So viele waren es seit 2008 nicht mehr. Bis zu den Zeiten mit 30 000 Besuchern in den 1990er-Jahren, als mehrere deutsche Teams in der mittlerweile eingestellten NFL Europe spielten, ist es aber noch ein weiter Weg.

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