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American Football: Mutters Trainingsmethoden zahlen sich in NFL aus

11.01.2020

Baltimore Ein Geheimnis des spektakulären Erfolgs von Lamar Jackson liegt in den ungewöhnlichen Trainingseinheiten seiner Mutter. Als der heutige Star-Quarterback gerade acht Jahre alt war, spielte Felicia Jones mit ihrem Sohn hinter dem Haus Football, brachte diesen immer wieder hart zu Boden. Langsam lernte Jackson, den Tackles der Ex-Basketballerin auszuweichen – und ist bereits in seinem zweiten Profijahr mit seiner Beweglichkeit die größte Attraktion der NFL.

Mit den Baltimore Ravens als bestem Team der regulären Saison trifft der 23-Jährige im Playoff-Viertelfinale in der Nacht zu Sonntag (2.15 Uhr MEZ/ProSieben) auf die Tennessee Titans und peilt nicht weniger als den großen Triumph an. „Ich denke nicht mal darüber nach“, sagte Jackson auf die Frage, ob diese Saison ohne Finalteilnahme eine Enttäuschung sei: „Wir haben so ein großartiges Jahr. Wir wollen in den Super Bowl, deshalb habe ich gar nichts anderes im Kopf.“

Als Jackson acht Jahre ist, sterben sein Vater bei einem Verkehrsunfall und seine Großmutter am selben Tag. Die Mutter zieht ihn groß, erkennt und fördert früh das sportliche Talent ihres Sohns. „Sie hatte eine Vision für meine Footballkarriere, bevor ich überhaupt dran gedacht habe“, schrieb er 2016.

Inzwischen können selbst die besten Verteidiger Jackson nur mit großer Mühe bremsen. Vor seiner zweiten NFL-Saison arbeitete er an sich. Er warf 36 Pässe, die zu Touchdowns führten und erlaubte sich nur sechs Würfe, die die gegnerische Verteidigung abfing. Das besondere Talent von Jackson ist, dass er auch kaum zu stoppen ist, wenn er den Football selbst trägt. Mit 1206 erlaufenen Yards erzielte Jackson diese Spielzeit einen Quarterback-Rekord für die NFL-Geschichte. Zum Vergleich: Altmeister Tom Brady lief – auch aufgrund seines anderen Spielstils – in 20 Jahren für ganze 1037 Yards.

Das Talent sorgte aber früh für Zweifel an Jackson als Spielmacher. Er kam als College-Phänomen in die NFL, wurde jedoch von fragenden Stimmen begleitet, ob er aufgrund seiner Schnelligkeit nicht besser als Ballfänger oder Läufer geeignet wäre. Als er das erste Mal fünf Touchdown-Pässe in einem NFL-Spiel geworfen hatte, kommentierte Jackson dies deshalb sarkastisch: „Nicht schlecht für einen Running Back.“

Die Nachrichtenagentur AP sah durch die Nörgler ein altbekanntes rassistisches Narrativ im Football in den USA bestätigt: Dass schwarzen Quarterbacks ihr Erfolg wegen überlegener athletischer Fähigkeiten zugeschrieben werde, während weiße Quarterbacks für ihre angebliche mentale Stärke und Arbeitsethik gelobt werden.

In der NFL-Draft 2018 wurde Jackson hinter vier weißen Quarterbacks erst zum Ende der ersten Runde ausgewählt – widerlegte bislang aber alle Zweifler und steht für einen Trend. Der 22-Jährige dürfte nach Cam Newton und Patrick Mahomes als dritter Quarterback mit afro-amerikanischen Wurzeln seit 2015 zum wertvollsten Spieler gewählt werden.

Das Internetportal „The Undefeated“ deklarierte diese Saison bereits als „Das Jahr des schwarzen Quarterbacks“. Neben Jackson sind auch Mahomes (Kansas City Chiefs), Russell Wilson (Seattle Seahawks) und Deshaun Watson (Houston Texans) mit ihren Teams noch in den Playoffs.

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