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Emder Tiger im Interview: Mehr Aufmerksamkeit für den Provinzfootball

27.11.2020

Emden Die German Football League (GFL) bekommt Konkurrenz. Anfang November wurde offiziell bekannt, dass mit der European League of Football (ELF) eine europäische Profiliga im Sommer 2021 gegründet wird. TV-Kommentator und Football-Trainer Patrick Esume wird Bevollmächtigter der neuen Liga.

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Ihm wird als Investor und Gesellschafter der ehemalige Geschäftsführer von ProSiebenSat 1 und Sport 1, Zeljko Karajica, unter die Arme greifen. Die GFL und der American Football Verband Deutschland nahmen die Gründung der neuen Liga mit wenig Begeisterung auf. Wir haben mit Eike Reimers, Headcoach, Organisator, zweiter Vorsitzender der Emden Tigers und selbst leidenschaftlicher Football-Spieler über die ELF gesprochen.

Herr Reimers, was sagen Sie zu der Gründung der European League of Football?

Es ist ein großes Projekt, welches dem europäischen Football eine Bühne geben wird, auf sich aufmerksam zu machen. Der Zeitpunkt könnte nicht richtiger sein. Wenn man sich die Entwicklung der Zuschauerzahlen der Live-Übertragungen der Spiele aus der NFL beobachtet, erkennt man, dass das Zuschauerinteresse von Jahr zu Jahr steigt. Man muss sich nur einmal ansehen, was das TV-Format „Ran“ innerhalb kürzester Zeit geschafft hat. Eine Randsportart in Deutschland zieht nun regelmäßig über eine Millionen Zuschauer sonntagabends vor die Fernsehgeräte. Es wäre doch toll, wenn dieses Interesse auch auf die Mannschaften im eigenen Land abfärbt. Eine solche Liga birgt, wenn man es aus Sicht der Vereine in Deutschland betrachtet, viel Potenzial. Fernsehübertragungen steigern das öffentliche Interesse des Sports, Sponsoren unterstützen die Vereine mehr, Talente können leichter entdeckt und Fernsehgelder bei der Finanzierung der Teams helfen. Durch Verpflichtungen von professionellen Trainern und Spielern wird auch das Niveau des Footballs in Europa steigen. Ich würde mir wünschen, dass der Provinzfootball in Deutschland an Interesse und daraus auch Mitglieder und Zuschauer gewinnt. Alles in Allem bleibt jedoch abzuwarten, wie Patrick Esume und Zeljko Karajica die Liga etablieren werden.

Ist Ihrer Meinung nach Esumes Weg der Richtige?

Ja. Wie gesagt, der Zeitpunkt ist absolut richtig. Auch die Aufgabenverteilung ist perfekt gewählt. Esume, als Mann von der Basis, welcher selbst in der damaligen NFL Europe gespielt und bei diversen Spitzenteams als Trainer gearbeitet hat und sogar als Gastcoach bei NFL Teams mitwirken konnte, wird Comissioner. Quasi eine Art Regulator, Organisator der Liga. Ligaboss ist Zeljko Karajica. Er soll sich unter anderem um die Vermarktung der Fernsehrechte und der medialen Berichterstattung kümmern. Esume hat sich viel vorgenommen, jedoch auch den Mut, etwas zu verändern indem er etwas Neues schafft. Der Dachverband des Footballs in Deutschland, der AFVD, versucht schon seit Jahren, seine höchste Liga – die GFL – zu einer Liga von internationalem Interesse zu machen. Dort bekommt es aber keiner hin. Nach dem Aus der NFL Europe hätte der AFVD auf den Zug aufspringen können. Aus den Fehlen der Vorgänger lernen und es besser machen. Passiert ist aber nichts.

Was ist bei den bisherigen Versuchen, neue Ligen einzuführen, falsch gelaufen?

Falsch gelaufen kann man nicht direkt sagen. 1991 startete mit der „World League of American Football“ der erste Versuch, die NFL in die Welt hinauszutragen. Dieser Versuch endete nach nur zwei Spielzeiten 1992. In den USA war diese Liga für die Fernsehzuschauer nicht interessant genug, weil sie sich von der Spielzeit her mit Baseball überschnitt. 1995 wurde dann die World League mit neuem Konzept aufgelegt. Weil nun jedoch hauptsächlich europäische Teams an den Start gingen, wurde sie in NFL Europe umbenannt. Barcelona, London und Glasgow verloren jedoch an Zuschauerinteresse und stiegen aus. Für diese rückten drei deutsche Teams nach. Die Stadien waren mit durchschnittlich 20.000 Zuschauern gut gefüllt. Jedoch rentierte sich die Liga für die kostentragenden Teams der NFL nicht. Man sprach bei der Auflösung 2007 von knapp 40 Millionen Euro Verlust, welchen die Liga erwirtschaftete. Im Großen und Ganzen ist das Interesse zwar da gewesen, das Konzept unterlag jedoch stets einem großen Träger, der meist auch einen großen Anteil an der Finanzierung hatte.

Die Liga-Neugründung stößt derzeit auf viel Kritik – besonders aus den Reihen der GFL und der AFVD. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Der AFVD mit seiner GFL ist seit Jahren die vorherrschende Institution des deutschen Footballs. Anders als in den USA, wo die Teams entweder den Schulen – oder im Profibereich Inhabern – gehören, besteht der deutsche Football aus einer gewachsenen Vereinsstruktur. Patrick Esume „stampft“ nun quasi eine Liga aus dem Boden, die wie ein Unternehmen zu betrachten ist. Die Liga vermarktet die Teams, die an ihr teilnehmen. Da treffen zwei Welten aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine ELF ist eine Marke und wird durch die professionelle Vermarktung deutlich finanzstärker sein, als der deutsche Footballverband. Dieser befürchtet zu Recht, dass das Potenzial an Trainern, Spielern und Talenten dank des Geldes zur ELF abwandern könnte. Dazu kommt noch, dass der AFVD seit längerer Zeit intern zerstritten ist und es keine Konzepte gibt, die GFL auf ein internationales Niveau zu heben.

Hier ergibt sich auch eine Parallele zum Amateurfootball, wie ihn zum Beispiel wir in Emden spielen. Weder der Dachverband noch die Landesverbände sind in der Lage, den Amateurfootball in Deutschland flächendeckend zu fördern und die mediale Aufmerksamkeit zu steigern. So gibt es auch keine Konzepte oder Ausarbeitungen, welche vorsehen, dass unser Sport an der Basis gefördert werden muss. Im Mutterland des Footballs beginnt die Förderung im Kindesalter und zieht sich durch die gesamte Schullaufbahn. Fachwissen, Trainerkompetenz und die notwendige Infrastruktur wie Ausrüstung, Sportplätze oder Schulungsräume stehen jeder Schule (mal mehr, mal weniger) zur Verfügung. Dies wird natürlich auch durch das amerikanische Schulsystem gefördert. Anders als bei uns fließt das Geld, etwa durch Spenden, Gönner oder Studiengebühren, direkt in die Footballteams der Schulen. Hier könnte die ELF auch ansetzen. Schließlich wird Nachwuchs gebraucht.

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