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NWZonline.de Region Friesland Gemeinden Varel

Ausgrenzung der Juden hautnah miterlebt

09.11.2013

Varel Viele ältere Vareler werden sich noch an das markante Gebäude an der Haferkampstraße erinnern, das als Schwabe-Villa bekannt war und 1975 wegen angeblicher Baufälligkeit abgerissen wurde. Es war das Wohn- und Geschäftshaus der jüdischen Familie Gustav Schwabe (1856 bis 1933). Sohn Curt Schwabe (1892 bis 1971) führte das Textilhandelshaus 1935, als Anneliese Ulfers dort eine Lehrstelle antrat. Ihrer Tochter Ursula Golder erzählte Anneliese Ulfers (später Schoster) von dem Leben und Arbeiten bei Familie Schwabe. „Es gab nicht viele Lehrstellen und ihre Eltern waren liberal. Diese ließen sie bei ihrem Nachbarn, einem Juden, in die Lehre gehen. Meine Mutter hatte es gut bei den Schwabes. Sie waren für sie Vorbilder, sehr feiner Gesinnung.“ Anneliese Ulfers erlebte die zunehmende Diskriminierung der Juden. Einige Juden hatten Varel auch schon verlassen. 1933 lebten noch 58 (nach anderen Angaben 44) jüdische Bürger in Varel. „Obwohl es ein großes Kaufhaus war, wurde es immer stiller in dem Haus, denn die Kunden blieben mehr und mehr aus. Auch die Angestellten wurden weniger“, erzählt Ursula Golder aus den Erinnerungen der Mutter. „Sie erlebte in ihren jungen Jahren hautnah mit, wie die Familie ausgegrenzt wurde. Die zwei Jungen des Kaufmannes erlitten viel Pein. Sie mussten den Judenstern tragen. Meine Mutter litt mit und wurde unschuldigerweise mit einbezogen in die Ausgrenzung. Sie wurde von nazitreuen Menschen beschimpft und bespuckt, wenn sie die Schmierereien ,Jude verrecke’ von den Schaufenstern abwaschen musste.“ Die beiden Söhne von Curt und Frieda Schwabe waren Arthur (geb. 1924) und Paul (geb. 1929). Mit ihnen und seiner Frau Frieda (damals 44) und den Söhnen gelang Curt Schwabe über Hamburg die Emigration in die USA. Noch vor der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, in der die Synagoge in der Osterstraße gebrandschatzt wurde, waren die Schwabes in New York angekommen. Arthur Schwabe diente in der US-Army als Nachrichtenoffizier. Nach dem Krieg studierte er Medizin und war Leiter der Abteilung für Gastroenterologie an der Universität von Kalifornien. Er starb 2001. Anneliese Ulfers wurde auch Zeugin der Pogromnacht und sah, wie eine Jüdin aus der Nachbarschaft aus dem Bett heraus auf einen Lastwagen getrieben wurde (wahrscheinlich Wilhelmine Deichmann, geb. Schwabe, Haferkampstraße 8; Anmerkung der Redaktion). Nach der Pogromnacht vom 9. November wurden die jüdischen Erwachsenen zunächst im Polizeigefängnis inhaftiert, die Männer später über Oldenburg in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Dort ist auf Grund von Misshandlungen der Kaufmann Ludwig Weiß (früher Varel) umgekommen.

Hans Begerow
Leitung Politik
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2091

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