Obenstrohe - Die Schneemassen türmten sich im Garten und auf der Terrasse meterhoch. Der Gartenzaun war fast komplett weg, die Straßen unbefahrbar. Ein Radlader bahnte sich mit einer großen Schaufel den Weg und räumte die „weiße Pracht“ gleich tonnenweise aus dem Weg. Mit einem von einen Aufsitzrasenmäher montierten Schneepflug versuchten die Menschen, zumindest die Gehwege frei zu bekommen.
Auf einem Super-8-Film hat die Mutter von NWZ-Leser Daniel Logemann aus Obenstrohe diese Szenen aus dem Januar 1979 festgehalten – und damit ein Zeitdokument erstellt. „Auf den Bildern sieht man Gerold Engler, der mit seinem Radlader den Parkplatz an der Schule freiräumt. Natürlich freiwillig und ehrenamtlich.“
Daniel Logemann stellte den 1:05 Minuten langen Film ins Internet-Portal Youtube. Die Bilder von damals hinterlegte er mit moderner Elektro-Musik seiner Band „Massiv in Mensch“. Deren neueste Single „Verne (Ave Maria)“ mit der Sängerin Rana Arborea erschien am 6. Dezember.
Die Schneemassen hielten zu Jahresbeginn 1979 auch in Varel die Leute in Atem. Vor allem im Februar kam das normale Leben fast zum Stillstand. Eine Schneefräse versuchte über die Mühlenteichstraße den Durchbruch von der Bundesstraße 437 nach Obenstrohe.
In der Fußgängerzone räumten Soldaten der Bundeswehr aus der ehemaligen Friesland-Kaserne zur Unterstützung der Anwohner und Geschäftsleute den Schnee von der Straße. „Die Bundeswehr war pausenlos mit Hubschraubern, Ketten- und Radfahrzeugen im Einsatz, um die Straßen frei und die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten“, meldete am 19. Februar 1979 der „Gemeinnützige“. Eine zwischenzeitliche Aufhebung des Fahrverbots misslang: „Sie führte gleichzeitig zu neuen Behinderungen“, hieß es.
Es gab aber auch kuriose und dramatische Geschichten. Zum Beispiel die Sorge eines Vaters, der sich im dichtesten Schneetreiben auf die Suche nach seinem Sohn gemacht hatte, der auf der Autobahn mit seinem Wagen steckengeblieben war. „Die Bundeswehr fischte ihn und wenig später auch seinen Sohn auf“, schrieb der „Gemeinnützige“.
Meterhohe Schneewehen und vereiste Straßen: Der Winter 1978/79 ging als Schneekatastrophe in die norddeutsche Geschichte ein. Rund um den Jahreswechsel, vor allem aber Mitte Februar 1979 stand das öffentliche Leben tagelang still – auch in Varel und der Friesischen Wehde. Erinnern Sie sich? Haben Sie noch Bilder? Der „Gemeinnützige“ sucht Ihre Geschichte. Melden Sie sich unter Tel. 4451/99882500 oder per E-Mail an red.varel@nwzmedien.de.
Zum Schmunzeln war der Bericht über die Erlebnisse eines Lehrers, der einsam Schnee schaufelnd an einer Einmündung Schnee schippte:. „Passanten gab er zu verstehen, so werde er wenigstens nicht angemeckert, weil die Lehrer wieder frei hätten.“
