• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Region Friesland Gemeinden Varel

Schatzmeister der Versuchung erlegen

24.10.2014

Varel „Ich betone, dass ich das Vertrauen der Vereine missbraucht habe. Und im letzten halben Jahr ist mir auch deutlich geworden wie schlimm“, sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort. Die Vereine, von denen die Rede ist, das sind der Rotary-Club Varel-Friesland, der Förderkreis Waisenhaus Varel und der Förderkreis St.-Johannes-Hospital. Vor ungefähr zehn Jahren hatte der Angeklagte angefangen, Geld von den Vereinskosten auf sein Konto abzuzweigen und es für sich zu verbrauchen. Als Schatzmeister der drei Vereine hatte er dazu die Möglichkeit. Die Abbuchungen deklarierte er in der Buchführung als Zuführung zum Sparbuch der jeweiligen Vereine.

Einige Fälle verjährt

Am Donnerstag hatte die Affäre ihren juristischen Schlusspunkt. Vor dem Schöffengericht Varel musste sich der 70-Jährige ehemalige Schatzmeister der drei Vereine verantworten. 66 Fälle von Untreue hatte die Staatsanwaltschaft zwischen 2009 und 2014 aufgelistet. Weiter zurückliegende Fälle waren bereits verjährt.

Vor Gericht gestand der Angeklagte alle Taten ein. Er habe mit seiner Rente nach seiner Pensionierung nicht mehr alle Aufwendungen begleichen können. So erlag er irgendwann der Versuchung, Geld von einem Vereinskonto abzuheben. Durch Umbuchungen innerhalb der drei Vereinskonten gelang es ihm, die Kassenprüfer zu täuschen. Und wenn er wegen der Abbuchungen gefragt wurde, gab er an, er habe das Geld auf das Sparkonto des Vereins transferiert. Diese Unterlagen forderte freilich kein Prüfer an.

Mithilfe der Schuldnerberatung Hildegard und Kurt Klose, seiner Familie und der beteiligten Bank, bei der alle Vereine ihr Konto hatten, gelang es dem Angeklagten, den Schaden in kurzer Zeit zu begleichen. Er musste dafür sein Haus verkaufen.

Urteil rechtskräftig

Mit zwei Ratenkrediten über knapp 30 000 Euro, die noch bis 2019 abzuzahlen sind, hatte er noch versucht, die entstandenen Löcher zu stopfen. Es gelang nicht. Im Januar 2014 flog der Schwindel auf. Vor Gericht sprach der Angeklagte freimütig über den Suizidversuch, mit dem er sich aus der Verantwortung zu ziehen suchte, und über seine jetzige finanzielle Lage.

Nicht zuletzt weil er den Schaden wieder gutgemacht hatte (ungefähr 110 000 Euro, das meiste davon an den Waisenstift-Förderkreis), sahen Staatsanwaltschaft und Gericht eine Bewährungschance. Denn ohne die Wiedergutmachung wäre das Gericht von einem besonders schweren Fall der Untreue ausgegangen, die mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft wird, machte die Vorsitzende Richterin Marion Kromminga-Wiebe klar.

Das Urteil: 18 Monate Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. An einen gemeinnützigen Verein muss der Angeklagte außerdem eine Geldbuße in Höhe von 1800 Euro entrichten. Sowohl der Angeklagte als auch der Staatsanwalt erklärten Rechtsmittelverzicht. Damit ist das Urteil rechtskräftig.