VAREL - Als Senior gilt ein Bürger ab dem Alter von 60. In Varel leben mehr als 7000 Senioren.

Von Christoph Koopmeiners

Die Seniorenarbeit der annähernd 20 Gruppen, Vereine, Verbände und Kirchen in Varel soll künftig im Rathaus koordiniert werden. Das kündigte Bürgermeister Gerd-Christian Wagner am Montagnachmittag im städtischen Sozialausschuss an. Im Zuge der geplanten Verwaltungsreform soll der Sozialarbeiter Horst-Dieter Willms die Funktion des Koordinators in einem Seniorenbüro übernehmen. Er kann den Bürger künftig Auskunft darüber geben, welche Angebote es gibt. Willms kümmert sich bereits um den Seniorenpass, die Kaffeefahrten, um den Tag der älteren Generation und leistet Sozialarbeit.

Das Thema Seniorenarbeit sorgte im Sozialausschuss für eine neuerliche Diskussion, ohne jedoch neue Erkenntnisse gebracht zu haben. Die SPD-Mehrheitsfraktion will den Seniorenpass, den es seit 25 Jahren gibt, auch im nächsten Jahr in seiner bisherigen Form erhalten. Er umfasst eine Kaffeefahrt, einen Gutschein für eine Theatervorstellung und zehn Freikarten für die hiesigen Schwimmbäder.

So wunderte es nicht, dass der Antrag von MMW und Grünen für ein neues Seniorenkonzept mit den Stimmen der drei SPD-Ratsfrauen abgelehnt wurde. Die CDU enthielt sich. Die FDP durfte nicht abstimmen, weil kein stimmberechtigtes Ratsmitglied im Ausschuss vertreten war. Ilonka Etzold (FDP) argumentierte aber ähnlich wie MMW und Grüne. Die Seniorenarbeit müsse weg von Geschenken und hin zu mehr bedarfsgerechten Angeboten. Das gebiete auch die Haushaltssituation. Die SPD sieht nach den Worten von Dorothea Weikert die Kaffeefahrten als Dank und Anerkennung für die ältere Generation. Daran haben vor kurzen bei acht Ausflügen nach Leer rund 2000 Senioren teilgenommen. Susanne Herbst (CDU) erkennt hingegen in den Kaffeefahrten keine Anerkennung für die Lebensleistung der älteren Generation. Auch die CDU möchte den Seniorenpass reformieren.

MMW und Grüne wollen den Seniorenpass in seiner bisherigen Form abschaffen und durch ein Seniorenkonzept ersetzen. Ein Seniorenbeauftragter sollte sich intensiver um die Belange der älteren Bürger kümmern. Die 53 000 Euro für den Seniorenpass sollten aber nicht gestrichen werden, sondern als Basis für eine neue Förderstruktur dienen. So möchten MMW und Grüne Seniorentarife in den städtischen Einrichtungen einführen. Die Kosten für Kaffeefahrt und Theater sollten auf 15 000 Euro begrenzt werden. Wenn der Seniorenpass Geld kosten sollte, wie im Ausschuss vorgeschlagen, dann glaubt Anke Budde von der Arbeiterwohlfahrt nicht mehr daran, dass Awo und DRK die Betreuung der Kaffeefahrten ehrenamtlich übernehmen.

In die Diskussion steht auch der Betreuungsdienst. In Varel wird er eingeschränkt vom Diakonischen Werk angeboten. Rein ehrenamtlich wird ein Besuchsdienst auch von anderen Gruppen wahrgenommen. Würde der Betreuungsdienst durch geschulte Personen ausgebaut, kostet das nach Aussagen von Bürgermeister Wagner 13 000 bis 14 000 Euro im Jahr.