VAREL - Für eine nachhaltige Intensivierung des deutschen Engagements für den zivilen Wiederaufbau in Afghanistan – insbesondere des Bildungwesens – hat sich der Vorsitzende des Friedenskorps „Grünhelme“, Dr. Rupert Neudeck, ausgesprochen.

Das Verhältnis von zivilem und militärischem Aufwand sollte „umgekehrt“ werden, sagte Neudeck jetzt bei einer Vortragsveranstaltung des Friedenforums Varel mit zahlreichen Zuhörern in der Aula des Lothar-Meyer-Gymnasiums. Schwerpunkt hätte die zivile Hilfe zu sein. Bundesregierung und Bundestag „machen aber derzeit das Gegenteil“.

Militärische Präsenz könne sinnvoll sein, aber allein eben in Verbindung mit einem Gesamtkonzept, welches die eigentlich erforderte und vorrangige sozio-kulturelle Strukturenbildung und -stärkung zum Schwerpunkt habe, sagte Neudeck sinngemäß. Eine verstärkte Militärpräsenz wirke eher kontraproduktiv. Je größer das Militärkontingent, desto größer werde die Unsicherheit, zumal deutsche Soldaten zunehmend allein als Verbündete des US-Militärs, dessen Ruf gänzlich ruiniert sei, wahrgenommen würden.

Neudeck hob ein besonderes Potenzial des traditionsreichen deutsch-afghanischen Verhältnisses hervor. Mit Deutschland meinten die Afghanen auch historisch „gut gefahren“ zu sein. Dieses Moment gelte es konstruktiv zu entfalten, insbesondere in Form von solidarischer ziviler Hilfe.

Wesentlich seien vor allem Elementarschulen, eine zureichende medizinische Versorgung sowie die Wiederaufforstung. Bildung sei „das Allerwichtigste“, nicht zuletzt für Mädchen und Frauen, deren soziale Lage es weiter zu verändern gelte. Mit dem Bau von Schulen, dem insbesondere das Engagement der „Grünhelme“ gilt, steht und fällt nach den Worten Neudecks die Perspektive einer entwickelten afghanischen Zivilgesellschaft.

Dr. Rupert Neudeck, 69, Journalist, war zusammen mit Heinrich Böll Gründer einer Hilfsorganisation seinerzeit für vietnamesische Flüchtlinge, des späteren Komitees Cap Anamur, dem er bis 1998 angehörte.

2003 war er Mitbegründer der internationalen Friedenskorps „Grünhelme“, das er zusammen mit Aiman Mazyek leitet. „Grünhelme“ sehen sich in der Tradition der seinerzeit von John F. Kennedy formulierten Peace-Corps-Idee; sie wenden sich ausdrücklich an junge Christen und Muslime. In Afghanistan bauten „Grünhelme“ nach eigenen Angaben bisher 27 Schulen. Aktiv sind sie auch in Ruanda und Uganda sowie im Nahen Osten. Die Mitarbeiter sind gegen eine Aufwandsentschädigung befristet ehrenamtlich tätig.