VAREL - Eine konstruktive Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts setzte nicht zuletzt voraus, dass beide Seiten ohne eine Opferrolle und historische Schuldzuweisungen verhandelten. Das ist ein gemeinsamer Nenner der Kontrahenten einer Podiumsdiskussion jetzt im evangelischen Gemeindehaus in Varel.
Vor vollbesetztem Saal diskutierten zum Thema „Israel und Palästina - ein Konflikt ohne Ausweg?“ der Dozent für Arabisch an der Universität Oldenburg und frühere Lehrer in Varel, William Abu Dayyeh, und Prof. Dr. Michael Daxner, Universität Oldenburg, Hochschullehrer für Soziologie und Jüdische Studien. Abu Dayyeh ist Palästinenser und deutscher Staatsbürger, seine Schwägerin ist Ministerin der palästinensischen Regierung. Daxner, seinerzeit Unipräsident in Oldenburg, ist Mitbegründer der jüdischen Gemeinde Oldenburg. Veranstalter war das Friedensforum Varel; es moderierten Prof. Dr. Christine Reents und Peter Tobiassen.
Beide Redner plädierten für eine Zwei-Staaten-Lösung. Daxner betonte, es sollte keine externen Vorgaben für eine Grenzziehung geben; diese sei allein den Verhandlungspartnern zu überlassen. Israel müsse aber seine Siedlungen zurückbauen. Abu Dayyeh sprach sich für zwei Staaten auf der Grundlage der israelischen Grenze vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 aus, mit einem palästinensischen Ost-Jerusalem.
Ein Beginn könnte ein Wirtschaftsabkommen sein, so Daxner. Notwendig wäre eine eindeutig säkular-demokratische Verfasstheit beider Staaten. Wenn die Palästinenser einen Staat wollten, müssten sie auch sagen, wer genau diesen Staat repräsentiere. Es müsse ein Staat im eigentlichen Sinne sein, etwa mit einer politisch kontrollierten Armee, aber ohne kaum zu kontrollierende Milizen.
Eine besondere Gefahr sehen beide Redner in religiös motivierter Militanz. Abu Dayyeh sieht entsprechende Verfallserscheinungen auf palästinensischer Seite als Folge israelischer Militanz. Auch weltpolitische Aspekte kamen zur Sprache. Neben Verhandlungen sei es gleichermaßen wichtig zu verhindern, dass Israel durch einen Krieg vernichtet würde, so Daxner.
