Varel - Dieeinen maßen die Knochendichte, andere informierten über die richtige Zahnpflege – oder aber man wagte auf dem Trimm-Dich-Rad eine kleine Runde und bekam zur Belohnung einen Smoothie: Im zweiten Obergeschoss des Kreisdienstleistungszentrums in Varel war am Mittwochvormittag eine richtige kleine Gesundheitsmesse aufgebaut worden.

Wer war Veranstalter des Gesundheitstags?

Eingeladen zu diesem ersten Gesundheitstag hatte das Jobcenter Friesland. Beteiligt waren ferner die vor Ort ansässigen Krankenkassen, die unter Koordination der Landesvereinigung für Gesundheit in Niedersachsen in einem Modellprojekt mit dem Jobcenter zusammenarbeiten.

Was wurde geboten?

Insgesamt 19 Anbieter beteiligten sich am Gesundheitstag in Varel, darunter Beratungsstellen, Krankenkassen, Stellen des Landkreises und Einrichtungen aus den Städte und Gemeinden wie der Pferdestall in Schortens. Die Stände, die über die gesamte Etage verteilt waren, reichten von reinen Informationsangeboten über spielerische Aktionen, an denen sich Interessierte beteiligen konnten, und Selbsttests wie einem Aufmerksamkeitstest.

Warum fand der Gesundheitstag statt?

Laut Andreas Bruns, Leiter des Jobcenters in Friesland, haben über 40 Prozent der rund 4700 Kunden ein Hemmnis im gesundheitlichen Bereich, vielfach im psychologischen Bereich. Diese Erkrankungen ergeben sich oftmals als Folge von Langzeitarbeitslosigkeit. Der Gesundheitstag wurde als Angebot geschaffen, wo sich die Kunden auf freiwilliger Basis informieren konnten. So konnten sie mit Anbietern ohne große Hürde ins Gespräch kommen. Die Erfahrung lehre nämlich, dass Erwerbslose oft Hemmungen haben, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Gibt es noch weitere Angebote?

Der Gesundheitstag ist laut Wencke Burkhardt, stv. Leiterin des Jobcenters, nur das „i-Tüpfelchen“ eines Modellprojekts zur „Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung“, an dem der Landkreis seit dem Jahr 2018 teilnimmt. Zusätzlich sind zwei Gesundheits-Coaches im Einsatz, die Leistungsbezieher in Gesprächen beraten. Im Zuge des Projekts, das im Jahr 2012 erstmals in Deutschland erprobt wurde, arbeiten Krankenversicherungen und Jobcenter zusammen. So richtet sich der Blick der Jobcenter normalerweise primär auf die Vermittlung.

An wen richtete sich der Gesundheitstag?

Eingeladen waren die Leistungsbezieher des Jobcenters in Friesland. Insgesamt wurden bis zum Mittag rund 200 Besucher erwartet.

Was soll das Modellprojekt bewirken?

In erster Linie geht es um die Sensibilisierung für die eigene Gesundheit, sagt Ilka-Marina Meyer vom Landesverband für Gesundheit. Im Landkreis Friesland gebe es „ein tolles Netzwerk“, lobte sie. Oft hemme die Empfänger von Sozialleistungen auch ein fehlendes Selbstwertgefühl, sagt Lena-Maria Baars, Koordinatorin der Gesundheitsregion Jade-Weser. Laut Edda Buss, Präventionsberaterin für den Bereich Wilhelmshaven, Friesland, Wittmund „hängt alles zusammen“ bei der Gesundheit. Es sei wichtig, ins Gespräch zu kommen. Das sei schon ein großer Schritt. Die Gesundheit von Erwerbslosen zu verbessern, sei im Übrigen natürlich auch im Interesse der Krankenversicherungen.

Sind weitere Gesundheitstage geplant?

Das steht noch nicht fest. Falls es dazu kommt, dass weitere Gesundheitstage ausgerichtet werden, wäre eine jährliche oder zweijährliche Wiederholung denkbar, sagt Andreas Bruns.