Damme/Kapstadt - Einmal kurz auf die Handy-Wahlwiederholung gedrückt und in Sekunden baut sich die Leitung nach Kapstadt in Südafrika auf. Eine junge Frau nimmt den Videoanruf entgegen: Kholeka Matiwane lacht in die Kamera – und wird dabei begleitet von vielen kleinen Mädchen und Jungen im Kindergarten- und Vorschulalter, die begeistert winken und Handküsschen an Birgit Hägemann schicken. Die Diplompädagogin und Produktentwicklerin der Jugendherbergen im Nordwesten sitzt – im Beisein der geladenen Presse – vor dem Bildschirm im Aufenthaltsraum der Jugendherberge Damme und ist sichtlich gerührt. Da werden Hände-Herzchen ausgetauscht, Lieder geträllert und auf Englisch und Xhosa, eine der südafrikanischen Amtssprachen, Neuigkeiten ausgetauscht. Alles wirkt vertraut und familiär.
Zum 1. Oktober schließt die Jugendherberge Damme vorübergehend, um die Räumlichkeiten zu renovieren und das Haus teilweise energetisch zu sanieren.
2,67 Millionen Euro kostet das Projekt, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Land Niedersachsen gefördert wird.
Die Außenwände werden gedämmt, das Haus erhält ein neues Dach, sämtliche Fenster werden ausgetauscht. Aber auch die 60 Zimmer werden saniert und mit neuen Betten, Böden und Farben ausgestattet – inhaltlich passend zum Konzept „We are one world“.
Die Wiedereröffnung ist für das Frühjahr 2024 geplant. Für die Dauer der Modernisierung ist die Jugendherberge per E-Mail und Telefon erreichbar und buchbar.
Insgesamt steigerte die Jugendherberge in 2022 die Zahlen – mit 22 000 Übernachtungen und 7460 Gästen – im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019.
Lebenswelt Townships
Reifen werden gesammelt, um daraus Sitzgelegenheiten zu basteln
Nun reinigen die Kinder die Reifen und streichen sie an.
Dann marschiert Kholeka Matiwane, die gerade ihre dreijährige waldorfpädagogische Ausbildung beendet hat, vor die Tür und nimmt die eingeladenen deutschen Gäste per Video mit – in eine andere Lebensrealität: einfache Wellblechhütten stehen dicht an dicht im strömenden Regen. Keine befestigten Straßen, nur Matsch und Müll.
Leben unter menschenunwürdigen Bedingungen: das Kinderhaus liegt in einem Township von Kapstadt und bietet mit vier weiteren Häusern rund 150 Kindern und Jugendlichen tagsüber ein Zuhause und eine Perspektive. Dahinter steckt das Hilfsprojekt Ubomi, das von deutscher Seite von Birgit Hägemann begleitet wird.
Jeweils drei Monate verbringt die Diplompädagogin in den Slums – im November geht es wieder los. Parallel zu dieser Lebenswelt spielen auf dem Gelände der Jugendherberge einige Mädchen und Jungen Tischtennis oder Kicker. Birgit Hägemann will diese Parallelwelten in der Jugendherberge Damme zusammenbringen – mit einem bundesweit einmaligen Bildungskonzept, das auf einen digitalen Schüleraustausch aufbaut: „We are one world – Wir sind eine Welt“ will Brücken bauen. „Es geht nicht darum, welche Welt besser oder schlechter ist, sondern um den Blick über den Tellerrand“, bringt sie es auf den Punkt. Ihre Schützlinge in Kapstadt seien schon jetzt neugierig auf die Lebenswelt deutscher Schüler.
Digitalisierung öffnet Austausch
Um die 13 000 Kilometer zwischen Damme und Kapstadt zu überbrücken und den interkulturellen Austausch der Lebenswelten digital zu fördern, wird die Jugendherberge ab Oktober nicht nur saniert, sondern auch inhaltlich neu ausgerichtet. Die 60 Zimmer werden modernisiert: Neue Möbel, Böden und sanitäre Anlagen – immer in Anlehnung an die Townships in Kapstadt – sind geplant.
So haben die Ubomi-Kinder bereits Lampen und Sitzgelegenheiten gestaltet oder gebastelt und Autoreifen bemalt. Auch Wellblechelemente zur Verkleidung von Tresen und Wänden kommen zum Einsatz: Der Container mit den Utensilien befindet sich bereits auf dem Weg in Richtung Deutschland.
Wiedereröffnung im Frühjahr
Mit der Wiedereröffnung der Herberge im Frühjahr soll der interkulturelle Austausch durchstarten: In interkontinentalen Multimediaräumen in Damme und Kapstadt gibt es Live-Schaltungen zu Themen wie Kinderrechte oder Plastik im Meer, spontane Gespräche oder Tanzworkshops – alles unter Anleitung ausgebildeter Teamer.
Auch energetisch wird das Haus saniert: neue Fenster, neues Dach: Insgesamt 2,7 Millionen Euro investiert die Jugendherberge in Umbau und Modernisierung.
Die Finanzierung übernehmen der Bund, das Land Niedersachsen und der DJH-Landesverband Unterweser-Ems zu etwa gleichen Teilen: „Wir freuen uns, dieses einzigartige und anspruchsvolle Projekt in Damme umzusetzen“, resümiert Thorsten Richter als Geschäftsführer der Jugendherbergen im Nordwesten. Zugleich sei es ein klares Bekenntnis zur Jugendherberge Damme als ein „Fenster zur Welt“.
