Landkreis Vechta - Wie geht es in der Corona-Krise für die Kitas weiter? Nun hat die Landesregierung einen Stufenplan vorgelegt. Ab dem 18. Mai soll die Notbetreuung deutlich ausgeweitet werden. Im Schnitt können dann bis zu zehn Kinder pro Notgruppe betreut werden. Ab dem 6. Juni soll der Kita-Betrieb auf bis zu 50 Prozent hochgefahren werden, der Regelbetrieb soll ab dem 1. August wieder laufen. Die Erzieherinnen in den Kitas im Landkreis Vechta arbeiten auch jetzt inhaltlich weiter. „Es ist eine herausfordernde Situation für Kinder, Familien und das Kindergartenpersonal“, findet Sandra Kosmala vom Bildungswerk Vechta. Die Pädagogin ist Fachberaterin im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ und qualifiziert zusätzliche Fachkräfte der sprachlichen Bildung.
Was bedeutet die Schließung für die Bildung und Entwicklung der Kinder und wie lässt sich der Alltag für die Kinder und Familien während der Schließungsphasen sinnvoll gestalten? Was könnte Familien im Alltag unterstützen? Wie kann es gelingen, Familien wirkungsvolle Impulse anzubieten, und wie erreichen wir sie? Das sind nur einige Fragen, über die sich Kosmala mit den Kollegen austauscht.
Generalisierte Angebote könnten zusätzliche Herausforderungen für Familien darstellen, warnt die Expertin. Besser seien individuelle Angebote für die Mädchen und Jungen, die zum Beispiel anhand der Entwicklungsdokumentation der pädagogischen Fachkräfte in den Blick genommen werden könnten. „Das wird im pädagogischen Alltag der Kita doch auch so gemacht“, sagt sie.
Im Kindergarten St. Barbara Glückauf in Damme werden kreative Wege gesucht und gefunden, um den Kontakt zu den Eltern zu halten. „Wir sind trotz Schließung für die Kinder da“, sagt Annette Budke, zusätzliche Fachkraft für Sprache in der Einrichtung. Oft gehe es darum, die Eltern zu bestärken, dass sie alles richtig machen und ihre eigenen Ressourcen und die der Kinder zu stärken.
Auch ein Vorschulkind falle nicht durchs Raster, wenn es ein paar Wochen lang keine Aufgaben bekomme, der Alltag biete viele Möglichkeiten, Kompetenzen weiter auszubauen. „Das Kind hat Ressourcen, auf die es zurückgreifen kann“, sagt die Pädagogin. Und wenn Bücher oder Spielmaterial gewünscht würden, dann könne der Kindergarten jederzeit aushelfen. „Sie müssen nicht alles kaufen“, betont Budke.
Unterdessen bereiten sich die Kitas schrittweise auf den Tag X vor – den Tag, an dem sie wieder öffnen dürfen. Der bisherige Kita-Alltag wird sich für alle verändern, wie werden die Gruppen aufgeteilt? Wie viele Kinder werden in einer Gruppe sein und wie werden die Gruppen eingeteilt? Wie genau dann der neue Alltag aussehen kann, ist eins der Hauptthemen in den Online-Qualifizierungen der Sprach-Kitas. „Wir lernen voneinander und miteinander und versuchen, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten“, sagt Fachberaterin Kosmala. Im Vordergrund stehen Hygienekonzepte und Abläufe und der Blick auf die frühkindliche Bildung der Kinder. Was die Veränderungen für die pädagogischen Fachkräfte bedeuten, wird in und mit den Teams gemeinsam erarbeitet. „Wahrscheinlich werden wir die Bring- und Abholsituationen verändern und eine Möglichkeit wäre es, den Start in den Kita-Alltag auf dem Spielplatz zu beginnen“, nennt Verena Macke vom Kindergarten St. Viktor in Damme ein Beispiel.
Es stellen sich viele Fragen, inwieweit der bisherige Tagesablauf neu gedacht werden muss. Wird es noch ein gruppenübergreifendes Frühstückscafé geben? Wie können sich Erzieherinnen schützen und dennoch nah an den Kindern sein? Wie kann der Austausch mit den Familien gestaltet werden? Das alles sind Fragen, die die Pädagoginnen mit Sandra Kosmala besprechen.
Bis es wieder losgeht, hat die Kita St. Viktor eine Aktion gestartet. Die Kinder und Familien können ihre Wünsche und Impulse an den Kindergarten für die Zeit nach Corona aufschreiben und an einen Wunschbaum am Kindergarten hängen. „Wir werden versuchen, realistische Wünsche zu erfüllen“, betont Macke. Wenngleich auch sie weiß: Wann und wie es weitergeht, entscheidet die Politik.
