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Häusliche Gewalt nimmt weiter zu: Wenn der Täter immer in der Nähe ist

26.04.2021

Landkreis Vechta Die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Vechta zeigen sich besorgt über die steigende Zahl von Fällen häuslicher Gewalt im Pandemie-Jahr 2020. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Landkreises Vechta hervor. Laut polizeilicher Kriminalstatistik Niedersachsens habe sich der seit zehn Jahren andauernde Anstieg polizeilich registrierter Fälle 2020 fortgesetzt – und zwar mit einem Plus von sieben Prozent. Das bedeute eine Zunahme von 1343 Fällen landesweit. Dabei schätzen Fachleute, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist als die Zahl der gemeldeten Fälle (21 509). „Nur ein kleiner Teil der Gewalttaten in den privaten vier Wänden wird angezeigt“, heißt es etwa von der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring.

Corona spiele Rolle

Aus Sicht der Gleichstellungsbeauftragten spielt bei der Entwicklung des Vorjahres die Corona-Pandemie durchaus eine Rolle. „Aufgrund der Kontaktbeschränkungen fällt die soziale Kontrolle durch Schulen, Arbeitgeber oder einfach durch Bekannte weg“, sagt Astrid Brokamp, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Vechta. „Hinzu kommt, dass die Kontaktaufnahme zu Hilfsstellen wie dem Frauenhaus oder der BISS – der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt – schwierig ist, wenn der Täter immer in der Nähe ist.“

Brokamp und ihre Kolleginnen in den Kommunen begrüßen die aktuelle Dunkelfelduntersuchung des Landeskriminalamtes (LKA). In der Dunkelfeldstudie liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem Thema häusliche Gewalt. Das LKA hatte ab Mitte März Fragebögen an etwa 40 000 in Niedersachsen lebende Personen versendet. Bei der Befragung geht es darum, Informationen über nicht zur Anzeige gebrachte Straftaten zu gewinnen und so Einblicke in das sogenannte Dunkelfeld der Kriminalität zu erhalten, wie der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) im Vormonat bekanntgab.

Und die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Vechta sagen voraus: „Die Ergebnisse werden zeigen, dass im Gewaltschutz – und hier vor allem in der Prävention – noch viel getan werden kann und muss.“ Die Schäden häuslicher Gewalt seien immens: Jeden dritten Tag werde in Deutschland eine Frau vom Partner oder Ex-Partner getötet.

Zunehmender Hass

Diesen Femiziden (Tötung von Frauen wegen ihres Geschlechts) liege oft die Annahme zugrunde, die Frau gehöre dem Täter. Toxische Männlichkeit und zunehmender Frauenhass seien Brandbeschleuniger.

Kein Wunder also, dass die Gleichstellungsbeauftragten appellieren: „Die Arbeit der Schutz- und Beratungseinrichtungen für gewaltbetroffene Frauen darf nicht länger als freiwillige kommunale Leistung definiert werden. Die Finanzierung ist dringend zu einer bundesstaatlichen Pflichtaufgabe auszubauen.“

Folgekosten der Gewalt

Neben der grundsätzlichen Problematik und Tragik häuslicher Gewalt komme diese die Gesellschaft insgesamt buchstäblich teuer zu stehen. Die Folgekosten von Polizei, Justiz, Unterstützungseinrichtungen und gesundheitlichen Problemen schätzt eine Kostenstudie aus dem Jahr 2017 auf 3,8 Milliarden Euro pro Jahr.

Da wundert es, dass es die für die Prävention so wichtigen Täterberatungsstellen in Niedersachsen nicht flächendeckend gibt. Der Landkreis Vechta gehört hier zu den weißen Flecken.

Deshalb haben die Gleichstellungsbeauftragten auffällige Flyer und Poster mit wichtigen Telefonnummern entworfen und verteilt. Aufgeführt sind u. a.: Beratung rund um die Uhr (Frauen- und Kinderschutzhaus, SkF): Telefon  04441/83838. BISS-Beratung: Telefon  04471/930830. Weißer Ring (Opfertelefon, Außenstelle Vechta): Telefon   116006 oder 0151/55164849.

Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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