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Reaktionen im Kreis Vechta nach Bund-Länder-Beschlüssen Kritik an Inzidenz als Lockerungsfaktor

Landkreis Vechta - Kritik an den Bund-Länder-Beschlüssen und an dem starren Festhalten des Inzidenzwertes als einziges Maß für Lockerungen haben am Freitag der Landkreis Vechta und die Bürgermeister Kristian Kater (Vechta) und Tobias Averbeck (Bakum) geübt. Stand Freitag, 9 Uhr, lag der Landkreis Vechta mit 104,9 noch über der „magischen Grenze“, ab der nach den neuen Beschlüssen in der kommenden Woche Öffnungen möglich sein sollen.

Für „absolut ungeeignet“ als Maß für Entscheidungslockerung hält Sandra Guhe, Leiterin des Vechtaer Gesundheitsamtes, die Inzidenzzahl. „Die Bevölkerung hat gut mitgemacht in den vergangenen Wochen und wird nun bestraft. Ich hätte mir von den Beschlüssen gewünscht, dass es differenzierter betrachtet wird“, sagte Guhe in der Online-Konferenz am Freitag. Sie regte an, auf insgesamt fünf Faktoren zu schauen, um das Corona-Geschehen in den Kommunen besser einschätzen zu können.

Geringe Dunkelziffer durch viele Tests

Dazu gehört erstens das Einbeziehen der Teststrategie: Im Kreis Vechta wurden bis Donnerstag schon 465 Testungen im März vom Gesundheitsamt veranlasst. Insgesamt werde breit getestet, um viele Mutationen und Infektionsketten zu entdecken. So herrsche im Kreis Vechta eine geringe Dunkelziffer an Erkrankungen.

Zweitens sollte die Reproduktionsrate berücksichtigt werden, drittens die Zahl der Krankenhaus- und Intensivbetten – „da waren wir immer im grünen Bereich“, so Guhe –, viertens die Todesrate und fünftens die Impfrate. „Wir sind auf einem guten Weg, und ich hätte mir gewünscht, dass mehrere Faktoren bei Öffnungen eine Rolle spielen würden“, so Guhe weiter. So schwinde auch die Akzeptanz für die Einschränkungen in der Bevölkerung.

Geduld der Bürger

Guhe appellierte dennoch an alle, jetzt durchzuhalten. „Ich möchte alle um Geduld bitten. Wir sind auf einem guten Weg, den wir uns durch unsere bisherige Strategie erarbeitet haben. Wir glauben, dass das greift“, so Guhe. Sie warf auch den Blick zurück – vor drei Wochen war die Inzidenz noch über 200 und habe sich durch die Strategie bis jetzt verringert.

Den „starren Automatismus“ des Inzidenzwertes kritisierte auch Vechtas Bürgermeister Kristian Kater „Das passt nicht zu dem, was wir geschafft haben. Ich hätte mir eine andere Strategie gewünscht, die lokal gebunden ist“, so Kater. Bakums Bürgermeister Averbeck wies auf die Folgen für Kinder hin, die seit drei Monaten nicht mehr die Kita besucht hätten. „Ermessensentscheidungen müssen wir vor Ort treffen“, kritisierte auch Winkel und hofft auch ein Einlenken in Hannover.

Neue Zahlen

Bis Freitagmittag waren beim Gesundheitsamt 20 Neuinfektionen gemeldet – zwölf davon mit der britischen Virus-Mutation. Aktuell sind 281 Personen mit dem Corona-Virus infiziert. 16 Personen werden stationär behandelt, zwei davon intensivstationär.

Der Kreis hat in Absprache mit den Städten und Gemeinde damit begonnen, Testzentren in den Kommunen einzurichten. So soll die wöchentliche Testung aller Bürger organisiert werden. Bis zum Wochenende sollten mögliche Räume gemeldet werden. In der kommenden Woche folgen Gespräche mit den Hilfsorganisationen, die sich für die Abwicklung der Testungen bereiterklärt haben. Diese haben den Auftrag erhalten, schon Tests zu bestellen, erklärte Winkel.

Impfen, Impfen, Impfen

Auch beim Impfen liegt der Landkreis Vechta gut im Plan, wie Erster Kreisrat Hartmut Heinen erläuterte. Aktuell würden bis zu 600 Impfdosen pro Tag verteilt werden können, wenn genügend Impfstoff da wäre. Von Vorräten der Vakzine, wie aus anderen Regionen zu hören sei, könne im Kreis Vechta keine Rede sei. Jede eingeplante Dosis werde verimpft, so Heinen. Im Gespräch für das Impfzentrum im Lohne sei aufgrund der avisierten Impfdosen ab Ende März eine vierte Impfstraße.

Seit zwei Wochen wird in der Prioritätsgruppe 2 geimpft. Kommende Woche könne voraussichtlich mit der Impfung der Mitarbeiter der Schulen und Kindertagesstätten begonnen werden, so Heinen. 92 Prozent der Lehrer und Erzieher in Vechta wollen sich impfen lassen, ist Bürgermeister Katers Rückmeldung. Heinen rechnet mit etwa 4500 Impfungen in dieser Gruppe kreisweit.

Mareike Fangmann
Mareike Fangmann Redaktion Münsterland
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