Hannover/Vechta - War es ein technisches Versehen, oder war es am Ende eine kriminelle Machenschaft? Nachdem im Landkreis Vechta rund 40 ältere Menschen mit falschen Terminbestätigungen zum Impfzentrum in Lohne gereist sind, haben sowohl der Landkreis als auch die Polizei Ermittlungen gestartet. Diese standen am Donnerstag aber erst am Anfang. Eines steht aber schon fest: Für die Betroffenen ist diese Posse ein bitteres Geschehen.
Was war überhaupt passiert? Am Mittwoch waren viele ältere Menschen zum Impfzentrum gekommen, die sich dort gegen das Coronavirus impfen lassen wollten. Doch die Mitarbeiter des Impfzentrums mussten 40 von ihnen wieder wegschicken, denn ihre Terminbestätigung war nicht im EDV-System des Landes erfasst worden.
Dann wurde bekannt, dass es auch Anrufe bei Senioren gab: Ein Unbekannter hatte sich bei älteren Mitbürgern gemeldet und angeboten, einen Impftermin zu vereinbaren. Dabei fragte er auch nach persönlichen Daten wie Alter, Adresse und weiteren Informationen, berichtet Kreispressesprecher Jochen Steinkamp. Für die Kreisverwaltung sieht das alles nach Betrugsversuchen aus. „Wir gehen davon aus, dass irgendwelche Leute über Anrufe versucht haben, an personenbezogene Daten heranzukommen“, sagte Steinkamp.
Er warnt: „Für eine Terminabsprache wird man niemals von uns angerufen, man muss immer selber aktiv werden.“ Entweder müssen sich Menschen über die Homepage des Landes einen Impftermin reservieren, oder sich an die Hotline wenden. Einem Aufruf der Kreisverwaltung, dass sich Menschen mit einem Impftermin nochmals beim Impfzentrum melden sollten, seien viele nachgekommen. „Das Gute ist: Heute hat sich niemand gemeldet, der mit einer nicht ordnungsgemäßen Terminbestätigung gekommen ist.“
Auch die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Am Donnerstag fuhren die Ermittler zu den betroffenen Senioren. „Wir nehmen Kontakt zu den Impfwilligen auf und klären, wie sie zu den falschen Terminen gekommen sind“, sagte Polizeisprecher Hendrik Ebmeyer. Betrügerische Machenschaften seien denkbar. „Aber im Moment ist das alles noch höchst spekulativ.“ Im Moment ermittele die Polizei noch in alle Richtungen, schließe also auch ein technisches Problem nicht aus.
Auch im Kreishaus habe man am Mittwoch zunächst an ein technisches Problem gedacht, räumt Steinkamp ein. „Es kommt bei dem System auch schon mal vor, dass es eine Doublette gibt.“ Insofern ist auch eine technische Panne als Ursache noch nicht vom Tisch. Allerdings hatte der Softwareanbieter Majorel Hinweise darauf, dass die Betroffenen Termincodes hatten, die nicht von dem Vergabesystem erstellt wurden. Diese seien anders aufgebaut als die, die vom Land vergeben wurden.
„Das ist ganz bitter für die Mitarbeiter des Impfzentrums, Menschen wieder wegschicken zu müssen, die eine Impfung wollten und sich darauf gefreut haben“, sagte Steinkamp.
Die Betroffenen, die vergeblich ins Impfzentrum gekommen waren, sollen nun zügig einen neuen Termin bekommen. Das versprach Sozialministerin Carola Reimann (SPD) am Donnerstag in Hannover.
Wie der Kreis Vechta weiter mitteilte, gebe es auch Versuche von Unbekannten, Bürger telefonisch mit gefälschten Terminvereinbarungen für Impfungen zu täuschen. Ein Impftermin ist aber ausschließlich über die offizielle Impfhotline 0800/9988665 und das Terminvergabeportal www.impfportal-niedersachsen.de des Landes möglich.
Neben den falschen Impfbestätigungen im Kreis Vechta bot am Donnerstag auch die Corona-Impfstoffverteilung an den Kliniken in Aurich, Norden und Emden in Ostfriesland Gesprächsstoff. Dort hatten sich beim Impfstart Anfang Januar Teile der Klinik-Verwaltung, darunter ein Geschäftsführer, impfen lassen, obwohl der Impfstoff eigentlich zunächst für Ärzte und Pflegekräfte vorgesehen ist. Führende Mitglieder des Aufsichtsrats der Trägergesellschaft forderten deswegen Aufklärung.
