Vechta - Ihre Heimat mussten sie verlassen, in Deutschland fassen sie Fuß: Junge Menschen mit Migrations- sowie Fluchterfahrungen. Bachelor-Studierende der Universität Vechta haben nun Schülerinnen und Schüler der Berufseinstiegsschule Klasse 2 der Adolf-Kolping-Schule in Lohne beim Übergang von der Schule zu weiteren Bildungsvorhaben oder den Beruf unterstützt. Die Praxisstunden des Seminars „Bildung im Migrationskontext“ wurden dafür genutzt.
Viele Fragen
Im Juli schließen die Schülerinnen und Schüler die Schule ab. „In dieser Situation gibt es viel zu besprechen: Von der Bewerbung über notwendige Versicherungen, Abzüge vom Ausbildungsentgelt, das Budget für Führerschein oder die erste eigene Wohnung ist nur ein Ausschnitt der Fragen“, weiß die Seminarverantwortliche Kirsten Rusert. Die Jugendlichen in der Berufseinstiegsschule (BES) würden sich im sogenannten Übergangssystem befinden. Hier werden sie im Anschluss an die allgemein bildende Schule beziehungsweise unmittelbar nach ihrer Zuwanderung gefördert, um den Übergang zu weiteren Bildungsangeboten oder dem Beruf besser zu bewältigen.
Um sich theoretisch dem Vorhaben zu nähern, haben sich die Studierenden im Seminar zunächst einen Überblick über die Lebenssituation zugewanderter Jugendlicher aus rassismuskritischer Perspektive verschafft.
Die Studierenden haben während der Praxisstunden die Jugendlichen in den Klassen 2 der Berufseinstiegsschule mehrmals getroffen und gemeinsam Lösungswege zu ihren aktuellen Fragen erarbeitet. Unter anderem standen auch folgende Themen im Fokus: Wie sollten die Bewerbungsunterlagen aussehen? Wie verhalte ich mich in einem Vorstellungsgespräch? Welche Unterstützungsangebote gibt es in der Ausbildung? Was gibt es für kulturelle Angebote oder Vereinsangebote vor Ort? Wo muss ich hin, wenn ich mein erstes Konto einrichte? Was bedeuten Brutto und Netto? Was für ein Budget brauche ich für den Führerschein oder die erste eigene Wohnung? Was ist der Berufswunsch? Entspricht dieser meinen Möglichkeiten oder muss ich weiter zur Schule gehen?
Hintergrund des Seminars
Das Seminar „Bildung im Migrationskontext“ für Bachelorstudierende ist ein Service Learning-Projekt im Profilierungsbereich. Es ist am Zentrum für Lehrer*innenbildung im „Sprachnetz“ angesiedelt. Das Ziel ist es, sowohl Kinder und Jugendliche mit Migrations-/Fluchterfahrung in ihren Lernprozessen zu unterstützen, als auch die interkulturelle Kompetenz und den Umgang mit heterogenen Lerngruppen von Studierenden durch die Verknüpfung von Praxis- und Theorieelementen zu fördern. Die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Migrations-/Fluchterfahrung durch Studierende im Rahmen ihres Studiums steht dabei im Fokus. Studierende können praktische Erfahrungen für ihre zukünftigen Berufsfelder sammeln.
