Vechta - „Streitbarer Historiker und engagierter Geschichtsvermittler“ – auf diesen Nenner lässt sich das öffentliche Leben des Vechtaer Professors Dr. Joachim Kuropka bringen, der am 22. Februar dieses Jahres in Borken gestorben ist. So heißt auch das Buch, das seine Schüler Michael Hirschfeld und Maria Anna Zumholz ihm gemeinsam mit Wilfried Kürschner jetzt posthum gewidmet haben. Und unter diesem Titel könnte man die Gedenkfeier zusammenfassen, die jetzt in der Uni Vechta stattfand.
Gebürtiger Schlesier
Kuropka, gebürtiger Schlesier, wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg und der Flucht der Familie in den Westen zunächst in Oberfranken auf, bevor der Vater Arbeit in Münster fand. Die Stadt wurde zum Ausgangspunkt der Karriere des jungen Wissenschaftlers, der zunächst hier und ab den 1970er Jahren dann in Vechta an der Hochschule und späteren Universität lehrte. Das Oldenburger Münsterland wurde zur neuen Heimat, in der Kuropka viele Aufgaben übernahm und der er eine große Zahl an Veröffentlichungen widmete.
Ein Kenner und Vermittler der Geschichte, unter diesem Oberbegriff stand die Würdigung des Lebenswerkes Kuropkas durch Michael Hirschfeld. Gemeinsam mit dem Anfang 2020 verstorbenen Professor Alwin Hanschmidt habe er die Erforschung auch der regionalen Geschichte an der Universität etabliert – mit großer Ausstrahlung in die Gesellschaft hinein. Der Redner machte das unter anderem deutlich an den großen Forschungsvorhaben zum Kreuzkampf 1936, zum demokratischen Neuaufbau nach 1945 und natürlich zu Kardinal von Galen. Er charakterisierte Kuropka aber eben auch als den „streitbaren Historiker“, der durchaus „mal aneckte“, „im Ton moderat, in der Sache aber scharf“ sein konnte. Daran seien auch Freundschaften zerbrochen. Und doch: „Man wusste immer, woran man bei ihm war.“
Kampf für die Uni
An diese Darstellung knüpfte Professor Dr. Wilfried Kürschner an. Der Vechtaer Sprachwissenschaftler war lange Jahre gemeinsam mit Kuropka Streiter für den Erhalt der Hochschule und für die Eigenständigkeit der heutigen Uni Vechta. Er erinnerte an die entscheidenden Jahre der Auseinandersetzung um die vom Land geplante Schließung des Hochschulstandortes, die wichtige Funktion der katholischen Kirche beim Erhalt und die besondere Rolle der Initiative „Pro Uni“. Ebenso aufreibend und spannend waren aber wohl die innerhalb der Hochschule selbst ausgefochtenen Kämpfe um die Eigenständigkeit der Fachbereiche und die Möglichkeiten der Einflussnahme des 1995 etablierten Hochschulrates – letztlich um die Freiheit von Forschung und Lehre innerhalb der Einrichtung. Maria Anna Zumholz stellte zum Abschluss der Gedenkfeier das Buch „Streitbarer Historiker und engagierter Geschichtsvermittler“ vor, das als Band 1 der Schriften des erst kürzlich gegründeten „Instituts für Regionalgeschichte und Katholizismus-Forschung“ im Münsteraner Aschendorff-Verlag erschienen ist. Konzipiert zunächst als Festgabe zum 80. Geburtstag Kuropkas (20. September 2021), wurde daraus nun eine „Gedenkschrift“. Sie sei im Wissen darum entstanden, dass Kuropkas Anliegen immer der „Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gewesen ist“: „Die Geschichte hatte für ihn eine besondere lebenspraktische Funktion, weil sie die Identität einer Region ganz wesentlich prägt.“
