Vechta - Künstlerische Ausbruchsversuche waren am Mittwoch das Thema bei „Thalia“ in Vechta. Im Mittelpunkt standen Blicke und Denkwege der 68-er Bewegung: Karl-Eckhard Carius führte die rund 60 Hörer durch sein neues, hervorragend gestaltetes Buch „CARIUS #68+ – Im Labyrinth der Ereignisse“. Es wurde ein anspruchsvoller Leseabend.
Politikwissenschaftler Prof. Dr. Peter Nitschke (Universität Vechta) gab in seiner Einführung einen historischen Überblick über die 68er-Bewegung und beschrieb Carius als einen Rebellen, der auch im Rahmen seines früheren Lehrstuhls für Designpädagogik an der Uni Vechta neue Maßstäbe setzte.
Carius las literarische Prosatexte, die seine Installationen und künstlerischen Aktionen begleiten, führte ein in die Logik des Irrationalen: Exit, Bodenworte, Energiestation, der Versuch, Sizilianer zu sein und Trilogie des Fernwehs waren seine philosophiegeladenen Schlagworte.
Spektakulär waren Carius’ Kunstaktionen „Tauchversuche zur Erforschung der Aufrichtigkeit und der Ehrenworttheorie“ sowie „Ein Attentat auf das Realitätsprinzip: Die Entführung des Akademieprofessors Bernhard Heiliger ins Paradies“. Die Entführungsgeschichte bildete den Schwerpunkt der Lesung. Und auch am Ende des Ausflugs in die Geschichte der deutschen Rebellion gab sich Carius reflektorisch-selbstkritisch: „Künstlerische Visionen und Sehnsüchte nach paradiesischen Gärten“ werden immer wieder vom „Schauder des Realen“ eingeholt.
