Vechta - Kein Fall von sogenannten K.O.-Tropfen ist bei der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta nach dem Stoppelmarkt in Vechta im vergangenen Jahr bekannt geworden. Das könnte nach Angaben der Pressestelle der Polizei aber auch daran liegen, dass der Nachweis der Substanzen nur wenige Stunden möglich ist und die Ausfallerscheinungen auch mit den Problemen nach zu viel Alkohol, Drogen oder Medikamenten verwechselt werden können.
Aufeinander aufpassen
Eine Datenerhebung valider Zahlen von gefährlicher Körperverletzung durch Verabreichung der Tropfen könne außerdem nicht erfolgen, da dies lediglich eine Art der gefährlichen Körperverletzung sei und die unterschiedlichen Begehungsformen nicht alle im Einzelnen erfasst würden. „Die Verabreichung von K.O.-Tropfen kann somit aus Sicht der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta derzeit nicht als Kriminalitätsproblem angesehen werden“, sagt PI-Sprecher Andreas Otten. Und doch oder gerade deswegen soll im Vorfeld des großen Volksfestes in Vechta für den Schutz von K.O.-Tropfen sensibilisiert werden.
Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Andrea Schlärmann, und die Vorsitzende des Marktausschusses, Jana Bröker, haben sich in diesem Jahr dem Thema verschrieben. „Am besten ist es, wenn die Stoppelmarktgäste gut aufeinander Acht geben und sich bei Bedarf um einander kümmern“, sagt Schlärmann. Bröker empfiehlt im Zweifel einen sogenannten Capycup zu bestellen. „Die kleine Gummihaube aus Naturlatex wird einfach über das Glas gezogen. Capycup kann die Kontamination und das Verschütten eines Getränkebehälters verhindern“, erklärt die Vorsitzende des Marktausschusses. Die Stadt Vechta stellt ein gewisses Kontingent an Capycups zur Verfügung. Stoppelmarktgäste können sich diese kostenlos beim Amtmannsbult abholen, solange der Vorrat reicht. Bröker hat mit den Wirtinnen und Wirten des Stoppelmarkts über das Thema gesprochen. Auch sie unterstützen die Aktion und hängen Flyer in ihren Zelten auf, die auf das Thema aufmerksam machen.
Personal aufmerksam
Die Rettungsdienste sind auf Verdachtsfälle sensibilisiert. Das Sanitäts-Personal gibt bei Anzeichen auf K.O.-Tropfen-Vergiftung – wie etwa, wenn eine Person laut ihrer Begleitung plötzlich völlig weggetreten ist – die Info in einem Protokoll an die Notaufnahme im Krankenhaus weiter. Alternativ entscheidet ein Arzt direkt auf dem Stoppelmarkt, dass eine Vergiftung vorliegen könnte und untersucht werden sollte. Auch die Polizei wird präsent sein.
K.O.-Tropfen (von „Knock-out“, englisch für „Außer-Gefecht-Setzung“) sind farblos und geschmacklos, wenn sie in Getränke oder Speisen gemischt werden. Bereits nach 10 bis 20 Minuten setzen Schwindel und Übelkeit ein. Typisch für die Tropfen ist der Gedächtnisverlust.
Das Opfer hat hinterher keinerlei Erinnerungen an die Zeit von Beginn der Wirkung der Tropfen bis zu deren Abklingen. Täterinnen und Täter setzen sie häufig in Diskotheken, Bars, Clubs oder Restaurants ein.
Tipps für den Stoppelmarkt sind: Lassen Sie das Getränk nicht unbeaufsichtigt, lassen Sie das Getränk bei Unsicherheit lieber stehen und nehmen Sie keine offenen Getränke von Unbekannten an. Wer sich unwohl fühlt, sollte sich Freunden oder dem Personal in den Zelten anvertrauen oder direkt zu den Sanitätern am Amtsmannsbult gehen.
