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NWZonline.de Region Vechta Gemeinden Vechta

Abschied von der Burg Vechta

10.05.2006

VECHTA Aus dem Erdreich tauchen Eichen-Stützpfeiler einer Brücke auf. Sie komplettieren ein historisches Puzzle.

Von Christoph Floren VECHTA - „Wir klopfen an das Tor der Geschichte.“ So beschreibt Axel Fahl-Dreger, Leiter des Vechtaer Museums im Zeughaus, die Grabung hinter dem Niels-Stensen-Werk am Kapitelplatz. Die durch eine Drainage trocken gelegte Baugrube wird in einigen Monaten durch eine Tiefgarage ausgefüllt. Darüber entsteht ein geriatrisches Reha-Zentrum als neuestes Projekt das St.-Marien-Hospitals (die NWZ berichtete).

Noch geben dort allerdings Grabungstechniker wie Michael Wesemann aus Oldenburg oder der Denkmalschützer Bernd Ammerich vom Kreis Vechta den Ton an. In den vergangenen Tagen haben sie mit Hilfe eines feinfühligen Baggerführers etwa 40 bis zu drei Meter lange Eichenpfähle geborgen, die einst als Stützpfeiler eine Brücke über den inneren Graben um die Burg Vechta trugen. Ihre Standorte werden für den Grabungsplan vermessen. Die „in einem praktisch sauerstofffreien Milieu“, so Wesemann, konservierten Pfähle stammen aus der Zeit kurz nach 1400. Das haben erste Datierungen anhand der Jahresringe im Holz ergeben. Wissenschaftliche Untersuchungen folgen in Kürze.

Hinzu kommen eine ganze Reihe von „Mitnahmefunden“. Dazu zählen Tierknochen, wie der Schädel eines Jagdhundes, wie ihn möglicherweise Gräfin Jutta von Ravensberg geführt hatte, und eines „Angeler Rindes“. Auch Kanonen- und Gewehrkugeln, die Sohle eines Damenschuhs, ein lederner Fäustling oder aus Horn geschnitzte und polierte Messergriffe und Reste einer Kochschale, die noch Feuerspuren tragen, gelangen auf diese Weise wieder ans Tageslicht. Als Einzelteile in einem historischen Puzzle geben sie Aufschluss über das Leben und den Alltag unserer Vorfahren zu einer Jahrhunderte zurück liegenden Zeit, „als Vechta eine wohlhabende Handelsstadt war“, freut sich Fahl-Dreger.

Manchmal sind es allerdings auch etliche Kilogramm schwere Brocken, die im Zuge der Grabung plötzlich auftauchen. So ist Ammerich unversehens auf ein massives Sandsteinsegmant eines Tür- oder Fensterbogens gestoßen. Wie die anderen Funde wird es nach der Präparation im Museum auf der Zitadelle zu sehen sein.

Neben der aktuellen Grobsuche, die einen letzten archäologischen Blick auf die einstige Burg Vechta ermöglicht, werden etliche Kubikmeter Bodenaushub gesichert. Sie sollen nach einer Zwischenlagerung akribisch durchsucht werden. Davon erwarten sich die Beteiligten weitere Funde wie Scherben oder Teile von Wand- und Bodenfliesen.

Die Ergebnisse der Grabung fließen in eine Feinkartierung ein. Sie dient nach Fahl-Dregers Angaben dem Versuch, die Burg Vechta nach dem vorliegenden Plan von 1689 neu zu platzieren.

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Vechtaer Museum | NWZ

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