Vechta/Ehrenburg - Yvonne sieht gut aus. Die Geschichte ihrer Familie in einem Haus im Kreis Diepholz erzählt die Frau mit den schwarzen Haaren locker, bisweilen mit einem Lachen.
„Es gab eine Zeit, da habe ich mich gefühlt wie in 1000 Puzzleteile zerfasert“, korrigiert die 35-jährige Mutter von vier Kindern ihren äußeren Eindruck. Kurz blitzt in ihrem Blick das Bild eines in Scherben zerbrochenen Gefäßes auf. „Ich musste mich neu sortieren“, so die gelernte Friseurin. Der Grund: Ihr ältester Sohn ist Autist. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Autismus zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Ärzte nennen ihn eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns. Für Yvonne ist es eine Behinderung.
„Mit einem Jahr hat er gesprochen“, gewährt die Mutter Einblick in ihre zurück liegenden Not. Ganz früh habe er Bücher angeschleppt. Häufig beschleicht sie das Gefühl: „Ben braucht mich nicht.“ Als vermisse er sie gar nicht, wenn er längere Zeit bei jemand anderem wäre. Oft habe der Junge nur geredet. In der Schule kam die Unruhe, das Nicht-Ruhig-Sitzen-Können.
Wie eine Erlösung hört es sich für Yvonne die im Alter von sieben Jahren gestellte Diagnose an. Ben ist Autist in der Form des Asperger-Syndroms. Das ist eine Ausprägung der Störung, die sich oft erst nach dem dritten Lebensjahr bemerkbar macht. Von da an entfallen ihre Selbstzweifel nach Sätzen wie „euer Sohn ist verzogen“.
Was die Situation oft verschlimmert habe oder auch heute noch schlimm macht: „Autismus steht einem nicht wie ein Mal auf der Stirn geschrieben“, sagt die Ehrenburgerin, die vor zehn Monaten in Diepholz eine Selbsthilfegruppe gegründet hat. Einen fehlenden Arm bemerkte jeder. Besonders bitte ist für sie, „wenn man belächelt wird“. Dabei besucht Ben inzwischen ein Gymnasium, wenn auch mit einer Assistenz.
Was dem inzwischen Elfjährigen niemand ansieht: Bei einem Wutanfall seiner Mutter mit hochrotem Kopf fragte er: „Mama, hast Du Schmerzen?“ Er kann heiß und kalt nicht unterscheiden, und wenn das Auto, das ihn morgens anholt, sich um fünf Minuten verspätet, kann das seinen ganzen Tag zerstören.
Mit ihrem Wissen und der Absicht anderen Betroffenen zu helfen“, die Puzzleteile ihres Lebens wieder zusammen zu fügen“, will Yvonne in Vechta eine Selbsthilfegruppe gründen. Ein Treffen ist für Donnerstag, 13. März, in den Andreaswerk-Räumen am Tannenhof geplant. Bei den Vorbereitungen unterstützt sie Karin Bockhorst, Landes-Caritasverband für Oldenburg (Vechta),
