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NWZonline.de Region

Brücke in die Vergangenheit

11.02.2016

Vechta Es ist das längste Projekt, das der Geest-Verlag aus Langförden und das Gymnasium Antonianum Vechta bislang gemacht haben. Im Verlauf von zwei Jahre schlüpften 20 Schüler des Seminarfachs „Brückenprojekt Nationalsozialismus in Vechta“ immer wieder in die Rollen von Jugendlichen zur Zeit des Dritten Reichs. Aus ihren Vorträgen und Rollenspielen wurden Texte, aus den Texten ein Roman. 500 Seiten umfasst das jetzt erschienene Buch mit dem Titel „So bleibt mir nur die Hoffnung“. In einer szenischen Lesung stellten die Jugendlichen das Ergebnis ihrer Arbeit am Dienstagabend im Zeughaus vor.

Trotz des starken katholischen Glaubens in der Region habe der Nationalsozialismus auch hier seine Macht entfaltet, betonte Verlagsleiter Alfred Büngen. Zwei Jahre erlebten die Schüler in ihren Figuren, wie das System funktionierte. Wie schnell und tief sich jeder darin verstricken konnte. „Wir haben gelernt, dass man rechtzeitig widersprechen muss“, so Büngen.

Im Buch sind es die fiktiven Jugendlichen Erika und Waltraud, die wegen aufrührerischen Verhaltens im Jugendlager Uckermark landen. Erika erzählt von Schreien aus den Nebenzellen, der Angst vor dem Einschlafen. Waltraud überlebt das Lager nicht. Während ihrer Recherchen verbrachten die Schüler des Antonianums selbst mehrere Tage im ehemaligen KZ Ravensbrück, dem das Jugendlager angegliedert war. Ein Erlebnis, an dem laut Büngen und Seminarleiter Olaf Bröcker alle zu knabbern hatten.

Gerade in einer Zeit, in der rechte Parolen wieder hoffähig zu werden scheinen, sei die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wichtiger denn je, sagte Bröcker. Der Geschichtsunterricht könne zwar ein Bild entstehen lassen, aber erst durch das Nachspielen werde eine Brücke zu den Menschen gebaut. „Um die Rollen zu spielen, mussten die Schüler auch viel von sich selbst preisgeben“, erinnerte sich der Lehrer. Erst diese Offenheit habe das Buch überhaupt möglich gemacht.

Lob für das Projekt, aber ebenso mahnende Worte gab es an diesem Abend von Anita Krüger, die das Vorwort zum Buch beisteuerte. Sie habe damals den falschen Weg gewählt, gestand die 1926 geborene Zeitzeugin. Die Zuhörer forderte sie dazu auf, andere vor demselben Fehler zu bewahren und darauf achtzugeben, „dass sich unsere Jugend nicht von den Rattenfängern einfangen lässt“. Den 20 Schülern riet die Brakerin: „Habt eine eigene Meinung!“ Eine schlechte Demokratie sei immer noch besser als eine Diktatur.

Das Buch „So bleibt mir nur die Hoffnung“ ist ab sofort im Geest-Verlag erhältlich und kostet 14,80 Euro. Die ISBN-Nummer lautet 978-3-86685-550-2. Unterstützt wurde das Projekt von der Bürgerstiftung Vechta sowie der Stiftung der Volksbank Vechta.