• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Vechta Gemeinden Vechta

Literaturfund: Geheime Liebespost entdeckt

20.02.2016

Vechta Es ist eine außergewöhnliche Liebesgeschichte in Vechta: Der noch junge Autor Rolf Dieter Brinkmann sucht per geheimen Briefen Kontakt zu einer von ihm auserkorenen „Muse“ im Mädcheninternat Liebfrauenschule in Vechta. Der 16-Jährige verliebt sich in Gisela Reinholz aus Berlin, die nur sechs Wochen im Internat bleibt. Im Februar und März 1957 schickt Brinkmann 41 Gedichte in doppelt verpackten Briefen ohne Absender über eine Botin ins streng kontrollierte Lyzeum, sagte Prof. Dr. Markus Fauser, Leiter der Brinkmann-Arbeitsstelle an der Uni Vechta. Gemeinsam mit Bürgermeister Helmut Gels und Uwe Bartels von der Universitätsgesellschaft Vechta stellte er das Bändchen, das eine Art Poesiealbum ist, am Freitag vor. Nach über 60 Jahren ist es nun wieder aufgetaucht.

Lesung im Theater

Der Band wird im Metropol Theater Vechta am 15. April um 20 Uhr der Öffentlichkeit vorgestellt. Schauspieler Stefan Haschke vom Theater Osnabrück wird im Rahmen der Vechtaer Literaturtage aus dem Band vorlesen. Karten gibt es im Ticketshop und den bekannten Vorverkaufsstellen für 12 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Brinkmann, der 1940 in Vechta geboren wurde (1975 in London gestorben), sei ein Vertreter der modernen europäischen Literatur, sagte Bartels. „Die Gedichte zeigen schon sehr früh, das Genie, das in ihm steckte.“ Sie werfen auch einen Blick darauf, wie Vechta strukturiert war. Fauser: „Der Band ist so bedeutsam, weil es sich um das allererste Gedichtsbuch von Brinkmann handelt.“ Die Briefe wurden gleich aus Sicherheitsgründen verbrannt. Zwei Briefgedichte konnte Reinholz aber retten, die dem Arbeitskreis nun vorliegen.

„Intimität war verboten, die reine Kontaktaufnahme schwierig“, beschrieb Fauser die damalige Situation. Die zwei Heranwachsenden haben nie miteinander gesprochen. Brinkmann konnte Reinholz als Ministrant in der Kirche sehen oder auf der Großen Straße von Weitem beobachten, wenn die Mädchen – abgeschirmt durch die Nonnen – unterwegs waren.

Die Texte schrieb Brinkmann zuhause. Die Mutter war an Brustkrebs erkrankt. Es herrschte eine bedrückende Stimmung, die sich in den Gedichten widerspiegele, sagte Fauser.

Als Reinholz schließlich abreiste, schrieb Brinkmann in dem Gedicht „Gegangen“: „Meine heimliche Liebe ist gegangen ohne umzublicken.“ Es war das letzte Gedicht an Reinholz und das bis dato einzig bekannte aus dem Band, sagte Fauser. Am Ende schickte Brinkmann das viele Seiten starke Album, in dem er die Gedichte übertragen hatte, nach Berlin.

Über ein Interview, das Fauser in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab, wurde die damalige Adressatin der Briefe, aufmerksam. Die inzwischen verheiratete Gisela Korn verkaufte den Band Ende 2015. Sie hätte gar nichts damit anfangen können, habe Korn gesagt. „Den Band hat sie dennoch treu verwahrt“, sagte Fauser. Finanziert wurde der Kauf von der Stadt Vechta und der Universitätsgesellschaft Vechta. Nun wollen die Beteiligten die Gedichte der Öffentlichkeit zugänglich machen. Und es gebe noch weitere Literatur, der die Arbeitsstelle auf die Spur kommen möchte.

Tanja Henschel Barßel / Redaktion Münsterland
Rufen Sie mich an:
04491 9988 2906
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.