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NWZonline.de Region Vechta Gemeinden Vechta

Im Lager Auschwitz-Birkenau gab es keine Namen

15.10.2016

Vechta Die heute 93-jährige Erna de Vries aus Lathen im Emsland berichtete am Donnerstag im Antoniushaus in Vechta als eine von noch ganz wenigen überlebenden Zeitzeugen über ihre Erfahrungen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Gebannt verfolgten die Zuhörer den Erzählungen über ihre Erfahrungen während des NS-Regimes und später im Lager Auschwitz-Birkenau.

Erna de Vries wurde 1923 als Kind eines evangelischen Vaters und einer jüdischen Mutter, in Kaiserslautern geboren. Schon als Kind hatte de Vries unter Anfeindungen wegen ihrer jüdischen Abstammung zu leiden. Nach Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten nahmen die Repressalien weiter zu.

1938 führte ihr Weg sie nach Köln, wo sie zunächst einen Hauswirtschaftskursus gemacht und später in einem jüdischen Krankenhaus gearbeitet hat. In Köln machte sie erstmals Erfahrungen mit dem jüdischen Glauben und der jüdischen Tradition. Nach der Schließung des jüdischen Krankenhauses kam sie nach Kaiserslautern zurück. Als ihre Mutter 1943 von Uniformierten abgeholt wurde, entschied sie sich, die Mutter zu begleiten, um nicht von ihr getrennt zu werden. beide hätten gewusst, was sie in Auschwitz erwartete. Obwohl Juden eigentlich nicht mehr im Besitz eines Radios sein durften, hatte ihre Mutter ein Radio versteckt, so dass sie heimlich die Entwicklung über BBC weiterverfolgen konnten.

In Quarantäne

In Auschwitz kamen sie und ihre Mutter zunächst in ein Quarantänelager, nachdem ihnen ihre persönliche Habe abgenommen worden war, sie sich entkleidet hatten und mit einer Nummer tätowiert worden waren. Namen hatten sie im Lager nicht mehr. Danach wurden sie zur Arbeit eingeteilt. Diese bestand darin, Schilf aus einem brackigen See herauszuholen. Es gab kaum etwas zu essen oder zu trinken, und sie hatte stark mit Ungeziefer, wie Flöhen und Läusen zu kämpfen. Diese Umstände führten bei ihr zu einer Erkrankung an Flechmonie, welche sie extrem geschwächt hatte.

Todesurteil Block 25

Da in den Arbeitsgruppen permanent selektiert wurde, ob jemand noch arbeiten konnte oder nicht, stand schnell fest, dass sie bei der nächsten Selektierung aussortiert werden und in den Block 25 kommen würde. Aus diesem Block war noch niemand zurückgekehrt, erzählte de Vries. Dass sie überlebt habe, verdankte sie einem Erlass Himmlers, der Halbjuden und Mischlinge von der Vergasung ausgenommen hatte. Kurz bevor sie in die Gaskammer getrieben werden sollte, hörte sie, wie ein SS-Mann ihre Nummer rief. Der SS-Mann erklärte ihr, dass sie mehr Glück als Verstand habe und in das Rüstungslager Ravensbrück überführt werden würde. Kurz zuvor hat sie ihre Mutter ein letztes Mal in Auschwitz gesehen und sich von ihr verabschiedet. Sie könne sich noch heute gut an die letzten Worte ihre Mutter erinnern, die waren: „Du wirst überleben und erzählen, was man hier mit uns gemacht hat.“ In Ravensbrück arbeitete sie bis Kriegsende, wobei die Bedingungen kaum besser als in Auschwitz waren, weil es auch dort nicht ausreichend zu essen und trinken gab.

Im Anschluss an die Erzählungen hatten die Zuhörer die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich ihr Buch handsignieren zu lassen.

Peter Linkert Redaktionsleitung Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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