Vechta - Inklusion auf jeden Fall, da sind sich alle einig. Aber das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern per Anordnung im Hauruck-Verfahren und ohne Personalausstattung – das wird schwierig. Davon ist Vechtas Stadtdirektor Helmut Gels überzeugt.

Ebenso überzeugt ist er vom Erfolg eines Projekts, das die Stadt jetzt mit dem Andreaswerk auf den Weg gebracht hat: Die Erich-Kästner-Schule in Trägerschaft des Andreaswerks für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung und die Grundschule Hagen in Trägerschaft der Stadt liegen unmittelbar nebeneinander. Da lag die Idee nahe, die Mädchen und Jungen beider Schulen einander noch näher zu bringen. „Lernen unter einem Dach – Auf dem Weg zur Inklusion durch Kooperation“ ist dann auch der Titel eines Projekts, das auf vier Jahre angelegt ist und zum neuen Schuljahr beginnen soll. Gels und Andreaswerk-Geschäftsführer Matthias Warnking sowie die Schulleiterinnen Sonja Nor­diek und Rita Espelage haben das Projekt am Freitag in der Erich-Kästner-Schule vorgestellt, dem auch die Landesschulbehörde ihr Okay gegeben hat – und vor allem die Eltern und die Kollegien. Seitens der Stadt haben Josef Kleier und Wilfried Völker großen Anteil am Gelingen.

Was soll passieren? Das Projekt will Wege zu einer gelebten Inklusion aufzeigen und sieht vor, dass der nach den Ferien eingeschulte Jahrgang der Grundschule Hagen in Räumen der Erich-Kästner-Schule unterrichtet wird. Es ist auf vier Jahre ausgelegt.

Zwei Klassen werden mit zwei Grundstufenklassen der Erich-Kästner-Schule kooperieren – im Sport, in Musik, in Kunst, vielleicht auch in Deutsch. Man könne angesichts der kleinen Klassen (maximal 15 Schüler) sehr flexibel reagieren, sagen Espelage und Nordiek. Eine Integrationsklasse wird es aber nicht geben. Ziel ist es, dass Schüler durch die räumliche Nähe und die gemeinsame Teilnahme am Unterricht lernen, Ängste und Vorbehalte abzubauen, um dem Anderen vorurteilsfrei und mit großer sozialen Kompetenz begegnen zu können.