Vechta - Den Anfang hat Pascal in der ersten Schulwoche gemacht. Im Deutschunterricht setzte sich der Sechsjährige an den Tisch, nahm ein Arbeitsblatt und schrieb mit. So läuft für den Jungen der normale Schulalltag. In der Vechtaer Erich-Kästner-Schule (staatlich anerkannte Tagesbildungsstätte des Andreaswerks) war das der lebendige Beweis für den Beginn eines neuen Miteinanders. Denn Pascal hat das Down-Syndrom (Trisomie 21) und ging selbstständig in die I-Männchen-Nachbarklasse.

Mit Schuljahresbeginn 2014/15 sind in die Erich-Kästner-Schule zwei Klassen der benachbarten Grundschule Hagen eingezogen. Mädchen und Jungen leben und lernen mit Altersgenossen mit Beeinträchtigung Geplant war Pascals Teilnehme nicht, doch sie bleibt keine Ausnahme. Das Modell, das die Erich-Kästner-Schule und die Grundschule Hagen umsetzen, heißt Kooperationsklassen.

Grundsätzlich werden Schüler mit und ohne Einschränkung getrennt unterrichtet. In ausgewählten Projekten lernen und arbeiten sie gemeinsam. „Wir schauen sehr genau, welche Themen und Bereiche sich anbieten“, erklärt Rita Espelage, Leiterin des Fachbereichs Schule beim Andreaswerk. „Nach einem guten halben Jahr sehen wir, wie viel nach dem Konzept gemeinsam möglich ist.“ Den Start bildeten gemeinsame Frühstücke und Pausen. Auch Erntedank, Nikolaus und Karneval feierten die Kinder gemeinsam. Hinzu kamen Vorlesestunden, dann der wöchentliche Sachunterricht. Vor Ostern bastelten, malten und sangen die Kinder gemeinsam.

„Schüler und der Grundschule fühlen sich sehr wohl“, so Espelage. „Die Eltern geben uns eine positive Resonanz. Von gemischten Gefühlen, die einige Eltern möglicherweise anfangs hatten, ist nichts zu spüren. Unter diesen Voraussetzungen wird immer mehr gemeinsam geplant. Im Mai folgt ein Gottesdienst. Den Kiosk der Erich-Kästner-Schule besuchen Erstklässler der Grundschule Hagen. „Wir möchten auch das Sportfest gemeinsam feiern“, so Espelage.