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NWZonline.de Region Vechta Gemeinden Vechta

Arbeitsrecht In Der Fleischbranche: „Probleme waren seit langem absehbar“

29.06.2020

Vechta „Nun ist also eingetroffen, was Kritiker der Zustände in den Schlachthöfen, allen voran Prälat Peter Kossen, seit Beginn der Corona-Pandemie prophezeit hatten: der massive Ausbruch von Covid-19-Infektionen“, ärgert man sich bei der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) über die – wohl vermeidbare – Entwicklung der zurückliegenden Tage. „Die Geschehnisse bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück setzen dem Ganzen nun die Krone auf, mit einschneidenden Folgen für die direkt betroffenen Personen und die Menschen in der Region“, sagt Karl-Heinz Böckmann, Vorsitzender des KAB-Landesverbands Oldenburg.

Auch im Oldenburger Land seien erste Schlachtbetriebe betroffen. Die Medien berichteten bundesweit. Politik, Unternehmen und Gesellschaft könnten die Probleme nicht mehr ignorieren. „Das Bundeskabinett hat ein Verbot von Werkverträgen in der Fleischbranche beschlossen, selbst die Konzerne kündigen mittlerweile die Übernahme der Werkvertragsbeschäftigten in die Stammbelegschaft an“, freut sich Böckmann. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung fordere nun die zügige und konsequente Umsetzung dieser Ankündigungen.

„Politik und Unternehmen haben den 1. Januar nächsten Jahres als Datum angekündigt“, sagt Böckmann. „Wir werden das genau beobachten und dies – wenn nötig – weiterhin öffentlich einfordern“, betont der Lohner: „Werkverträge im Kerngeschäft von Unternehmen gehören so schnell es geht abgeschafft.“

Es sei traurig, dass es erst eines solchen Ereignisses wie der Corona-Pandemie bedurft habe, um Bewegung in die Sache zu bekommen, meint Böckmanns Stellvertreter Peter Bührmann. Das Problem sei ja nun nicht neu. „Weil es mehr Profit verspricht, setzt die Branche seit Jahren auf den massenhaften Einsatz von Werkvertragsarbeitern – ein undurchschaubares System von Arbeitsvermittlern, Arbeitsverleihern und Sub-Sub-Sub-Unternehmen.“

Die KAB kritisiert diese Zustände seit vielen Jahren. Sie hat zusammen mit anderen Verbänden, Gewerkschaften und Organisationen bereits 2012 ein regionales Bündnis geschmiedet, das „Netzwerk für Menschenwürde in der Arbeitswelt“ (MidA), das sich durch verschiedenste Aktionen immer wieder öffentlich für die Beseitigung dieser Missstände einsetzt. „Zurück zur Stammbelegschaft“, so der Titel des Positionspapiers, in dem schon 2015 viele der aktuell diskutierten Forderungen erhoben wurden.

Die Stammbelegschaften machten oft nur einen kleinen Teil der Beschäftigten aus. Auch das Kerngeschäft der Branche, das Schlachten, Zerlegen und Verpacken, werde zum überwiegenden Teil an Werkvertragsunternehmen ausgegliedert, die in großer Zahl Arbeitskräfte aus osteuropäischen Ländern rekrutierten. Diese würden bewusst in Abhängigkeit zu den Unternehmen gehalten, die oft nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Vermieter von Unterkünften seien und für den Transport zum Einsatzort sorgten. Alles gegen Bezahlung, also Abzug oder Gegenrechnung vom kargen Mindestlohn.

Auch Arbeits-/Schutzkleidung werde in Rechnung gestellt. „Arbeitsrecht, Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen sind den Unternehmen offenbar herzlich egal“, sagt Bührmann. „Die Angst, entlassen und in die Heimat geschickt zu werden, ist offensichtlich zu groß, als dass jemand zu sehr auf seine Rechte pochen würde.“ Das ist ein Skandal – findet die KAB.

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