VECHTA - 33 Jahre hat Otto Rauert an der Spitze des Andreaswerks gestanden, wenn er Ende des Monats die Geschäftsführung der mit etwa 1500 Plätzen für Betreute größten Einrichtung der Behindertenhilfe im Kreis Vechta an Matthias Warnking übergibt. Kurz vor dem Wachwechsel nutzt Rauert, der als Traumberuf „eigentlich Landwirt“ angibt, die Gelegenheit, für einen Blick zurück.
Prägende Etappen
Als nach einer Stellenausschreibung die Wahl auf ihn fiel, trat der 30-Jährige seinen Dienst am 1. Januar 1978 an. Am 25. November 1986 wurde er Geschäftsführer. Einschneidend nennt Rauert „die Werkstättenverordnung 1980“, die rechtliche Rahmenbedingungen für solche Angebote festlegte, „den Aufbau der Kindertagesstätten von 1980 bis 1990“, der moderne Kindertagesstätten für behinderte Kinder ermöglichte sowie „die Frühförderung“. Dafür, so bemängelt er, „gibt es bis heute keine zufriedenstellende Regelung. Länder und Kreise setzten die Vorgaben des Bundes nicht um. Für interdisziplinärer Arbeit fehlt das Geld“.
Zufrieden zeigt sich der Noch-Geschäftsführer, wenn er an vergangene Großprojekte denkt, die lange bis zur Verankerung brauchten – etwa die Werkstatt in Steinfeld oder die Erich-Kästner-Schule in Damme. 15 beziehungsweise zehn Jahre gingen bis zur Eröffnung ins Land. Oft denkt er an Personalentscheidungen, die ihm manchmal „schwerfielen“. Seine Maxime war: „Mitarbeiter sind die größte Stellschraube im Betrieb. Das Klima muss stimmen.“ Damit kommt Rauert zum Thema positive Erinnerungen: „Zufriedenheit der Betreuten und im Nachgang der Hauptamtlichen war für mit immer die größte Motivation.“
Positive Bilanz
„Was ich umsetzen konnte, kann ich auch verantworten. Was ich nicht gemacht habe, juckt mich eigentlich nicht mehr“, zeigt er sich im Reinen mit seiner Arbeit. Allerdings, eine Sache wäre da noch: „Ich hätte gerne einen Biobauernhof für das Andreaswerk realisiert.“ Dass sich dieses Projekt als wirtschaftlich nicht umsetzbar erwies, sieht er als Wermutstropfen an. Doch wesentlicher ist ihm, „dass wir als Andreaswerk im Kreis Vechta gesetzt sind – ein Beispiel für funktionierende Öffentlichkeitsarbeit“.
Als große Herausforderung für die Behindertenhilfe nennt Rauert „den ständig wachsenden Kostendruck“. Der steige seit der Deckelung Mitte der 90er Jahre: „Wir haben viel kompensiert, aber langsam nähern wir uns dem Ende der Fahnenstange.“
