VECHTA - Nach zwölf Stunden im Einsatz kann Sprengmeister Thomas Gesk endlich entspannt lächeln. Gelöst präsentiert er am Sonntagspätnachmittag einen Splitter der gefährlichen Zehn-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die zuvor in Vechta zur größten Evakuierungsmaßnahme der Stadtgeschichte gesorgt hatte.
Gesk erläutert, dass eine Entschärfung des amerikanischen Blindgängers nicht möglich gewesen sei, weil einer der beiden Zünder beim Aufprall demoliert worden sei. Den Heckzünder habe er leicht aus der ansonsten sehr gut erhaltenen Bombe herausschrauben können, doch der Kopfzünder habe nicht entfernt werden können.
Mehrfach hatte sich deshalb das Ende der Bombenbeseitigung verzögert. Auf einem Tieflader wurde die Kriegshinterlassenschaft zu einem vorbereiteten Sprengplatz gebracht, wo sie dann schließlich gezielt mit einer Extraladung Sprengstoff in die Luft gejagt wurde.
In sicherer Entfernung hörte Vechtas Bürgermeister Uwe Bartels (SPD) die Explosion um 15.40 Uhr. Voller Erleichterung leistete er sich anschließend die spaßhafte Äußerung: „Jeder China-Böller macht mehr her.“
Tatsächlich war nicht nur Bartels froh und glücklich, dass alle den Tag unbeschadet und gesund überstanden hatten. Der Bürgermeister dankte auf einer Pressekonferenz dem Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, aber auch den insgesamt 750 Helfern von Polizei, Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk, dem Malteser Hilfsdienst sowie den beteiligten Mitarbeitern der beiden Justizvollzugsanstalten und der Stadtverwaltung. 500 von ihnen waren im ehrenamtlichen Einsatz.
Zu den Besonderheiten der riesigen Evakuierungsaktion gehörte die Räumung der beiden Gefängnisse. Für die 293 Insassen der Männer-Haftanstalt und die 100 inhaftierten Frauen wurde der Tagt zu einem außerplanmäßigen Ausflug. Während die Frauen in Meppen und einem weiteren Gefängnis in Vechta waren, wurden die männlichen Häftlinge nach Oldenburg und Hannover gefahren. Der größte Teil verbrachte den Tag in einer Sporthalle der Oldenburger Justizvollzugsanstalt.
250 Menschen wurden vom Malteser Hilfsdienst im Evakuierungszentrum in einer Schule im Norden der Stadt versorgt. Die meisten der betroffenen 8500 Menschen hatten den Tag für längere Ausflüge oder Besuche außerhalb des Sperrgebiets genutzt. Teilweise gab es regelrechte Evakuierungsparties.
Zufrieden äußerte sich auch die Polizei nach dem Ende des Einsatzes. 163 Beamte hatte 38 Absperrpunkte eingerichtet und das gesamte Evakuierungsgebiet durchsucht. Dabei mussten sechs Wohnungen im Nachgang evakuiert und einige wenige Menschen vor dem eigenen Leichtsinn bewahrt werden.
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