Vechta - Von der Beratung von zugewanderten Jugendlichen und Erwachsenen über die Arbeit in 15 Flüchtlingswohnheimen bis zu Projekten wie „Respekt Coaches“ – 2500 Menschen hilft die katholische Migrationsarbeit im Oldenburger Land pro Jahr. Von berührenden Einzelschicksalen erzählten die Mitarbeiter der Migrationsarbeit dem Weihbischof Wilfried Theising nun im „Haus der Caritas“.
So berichtete etwa Elisabeth Vodde-Börgerding (Damme) von einem Freitag, an dem um 13 Uhr 25 Rumänen – davon zwölf Kinder – vor ihrer Bürotür standen, weil diesen von einer insolvent gewordenen Ausstallungsfirma plötzlich gekündigt worden war. Es belaste sie sehr, wenn sie diesen Menschen außer bei der Beschaffung von Lebensmitteln von der Tafel nicht weiterhelfen könne.
Eine Praxis, die auch Josef Kleier aus der Beratungsstelle für Werkvertragsarbeiter erlebt: Menschen aus Osteuropa wüssten oft nicht, was sie unterschreiben würden. Bei einem Sechs-Monats-Vertrag werde ihnen häufig gekündigt, sobald sie krank würden. Rechtlich zustehender Urlaub werde nach einem Jahresvertrag nicht gewährt und auch nicht ausgezahlt. Wenn diese Menschen nicht wie Mitbürger behandelt würden, „fällt uns das irgendwann auf die Füße“, betonte der Jurist.
Belastend für die Beraterinnen sei auch die Zunahme von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen durch komplizierte oder nicht mehr mögliche Familiennachzüge. Von einer Zunahme von Vorwürfen an Ehrenamtliche in der Migrationsarbeit berichtete Johannes Lamping: Sätze wie „Jetzt muss aber doch mal Schluss sein damit“ seien keine Seltenheit.
Theising dankte den Freiwilligen, die aufgrund dieser Erfahrungen oft einer starken psychischen Belastung ausgesetzt seien. Der Offizial erinnerte an das erfolgreiche Prinzip der Subsidiarität. Dass der Staat in der Sozialarbeit auf die jeweils kleinere Einheit vertraut hat, habe Deutschland „viel Segen gebracht“.
