VECHTA - Ehrenamtliche erwarten in Zeiten knapper Mittel mehr Aufgaben. Das fordert ein überdenken von Strukturen.
Von Christoph Floren
VECHTA - 16 Jahre an der Spitze des Landes-Caritasverbandes (LCV) für Oldenburg, davon zehn als Vorsitzende: Mit der offiziellen Verabschiedung am Donnerstag, 4. Mai, endet die Ära von Prof. Agnes Holling beim in Vechta ansässigen LCV.Bei ihrem ehrenamtlichen Einsatz steht „stets der Mensch im Fokus“, sagt die aus Friesoythe stammende engagierte Pädagogin, die neben weiteren Qualifikationen die Lehrbefähigung für katholische Theologie besitzt. Daher beschreibt sie das Ziel von Erziehung, „dass so etwas wie Auschwitz nie wieder geschehen kann“, wie es Theodor Adorno formulierte.
Hauptberuflich kam Holling nach Lehramtsstationen 1969 als wissenschaftliche Assistentin an die damalige Pädagogische Hochschule Niedersachsen, Abteilung Vechta. Von 1973 bis 2003 wirkte die Dozentin an der Katholischen Fachhochschule Vechta. In diese Zeit fallen auch nach der Wahl durch den Senat fünf Amtsperioden als Prorektorin. Im Ruhestand hat Holling nach der Aufnahme einer Zusatzausbildung für Psychotherapeuten einen Lehrauftrag für Erziehungswissenschaft und Supervision an der Hochschule übernommen.
„Mein Hobby“, sagt die 68-Jährige, „war und ist die Wissenschaft“. Diskussionen mit Kollegen, Begegnungen mit jungen Leuten in Seminaren, Auseinandersetzungen, kontroverse Diskussionen: Diese Schlagworte kennzeichnen ihre Antworten auf die Frage nach „Atempausen“ bei einer vom christlichen Menschenbild bestimmten Arbeit.
Problemen mit der Akzeptanz als Frau in Führungspositionen räumt Holling keinen Raum ein. Sie folgt der Devise „schwierige Dinge muss man immer auf der höchsten Ebene regeln“ ihres verstorbenen Ehemannes: „So konnte ich für die Arbeit in den Caritas-Gremien, wenn es um strukturelle oder konzeptionelle Entscheidungen ging, oft meine Hochschulerfahrungen einbringen.“
Angenehme Erinnerungen verbindet die erste und bislang einzige Frau an der Caritasspitze in Deutschland mit der Nahezu-Gleichstellung des Oldenburger LCV im Konzert der Caritasverbände auf Bundesebene, die Ende der 90er Jahre erreicht wurde. Ihre besondere Wertschätzung gilt Kontakten mit der Basis. Darin spürt sie das kirchliche Engagement der Menschen vor Ort. „Dazu gehört auch“, sagt Holling, „wenn ich Ehrennadeln für oft langjährige ehrenamtliche Leistungen verleihen kann“. Auf einen Nenner bringt sie mit der Erkenntnis, dass für die vielfältigen Aufgaben in Zukunft weniger Geld zur Verfügung steht, ihren Wunsch für die Caritas: „Denkt daran, den Menschen in ihrer Situation zu helfen und dabei die Not Einzelner zu beachten.“
