VECHTA - „Alles was hier unternommen wurde, wird uns für immer begleiten.“ Diese Worte des Dankes findet Menachem Gerson anlässlich eines Rathaus- Empfanges, den die Stadt Vechta am Mittwoch, 9. September, für die israelische Delegation gegeben hat, die derzeit im Zusammenhang mit dem Projekt „Stolpersteine“ (die NWZ berichtete) den Spuren jüdischer Geschichte in der Kreisstadt nachgeht. 2009 findet Gerson, der 1940 als 15-Jähriger mit viel Glück aus Luxemburg über Frankreich nach Palästina emigrierte, die Kraft für diesen Satz. Vor 30 Jahren wäre das dem 84-Jährigen nicht möglich gewesen. Damals lebten in Deutschland noch zu viele Verursacher der Greueltaten des „Holocaust“.

„Euer Name lebt“

Mitgekommen ins Rathaus sind auch Alisa Ben-David, geborene Gerson, ihr Mann Menashe und ihre Tochter Noga. Als Ben-David durch die Ausstellung „Euer Name lebt“ im Foyer geht, bleibt sie an einer Stellwand mit Schwarz-Weiß-Fotos und texten stehen, und zeigt auf ein Bild: „Das war unser Haus., in dem wir bis 1939 gewohnt haben“, erinnert sie sich, als sei es gestern gewesen. Der Besuch der Angehörigen aus Vechta stammender Familien, die inzwischen seit Jahrzehnten in Israel einen neue Heimat gefunden haben, ist ein Stück gelebter Zeitgeschichte.

Diese Auffassung teilt Bürgermeister Uwe Bartels (Pro Vechta). zunächst erinnert er an die Entstehung des Projektes „Stolpersteine“ in Vechta, und verweist auf das Engagement der Initiative „Bunt statt braun!“, die 2007 gegen Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und anderes, dumpfes Gedankengut der Rechten in Vechta auf die Straße gegangen ist. Für Bartels halten die „Stolpersteine“, die am heutigen Donnerstag, 10. September, „in Straßen in denen die Familien der Gäste einst daheim waren, die Erinnerung und Mahnung an fürchterliches Unrecht wach“. Zudem seien sie Zeichen, „dass ihre Familien in Vechta nicht vergessen werden!“

Generationen übergreifend

„Stolperstein“-Verantwortliche sind die Martin-Luther-Schule, die Geschwister-Scholl-Schule, die Ludgerus-Schule, das Kolleg St. Thomas und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Hinzu kommt der Künstler Gunter Demnig (Köln), der die in zahlreichen Ländern anzutreffenden Mahnmale für jüdische Opfer der NS-Zeit initiiert hat.