VECHTA - Vechtas Landrat Albert Focke zeigt sich empört. Die Methoden der „Geruchsspione“ seien staatlicher Stellen unwürdig.

von Peter Linkert

VECHTA - „Ich werde alles tun, um das Projekt zu stoppen. Eine Unterstützung durch den Landkeis Vechta wird es nicht geben.“ Landrat Albert Focke war gestern außer sich geraten, nachdem er von Hinweisen aufgeschreckt worden war, nach denen Mitarbeiter eines Unternehmens in Damme mitten in der Nacht dabei beobachtet wurden, wie sie „Geruchsproben“ genommen haben.

An die Öffentlichkeit ist die Geschichte durch die in Damme ansässige Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands“ (ISN) gekommen. Die spricht von „Geruchsspionen“ und vermutet als Hintergrund das Projekt „Geruchsbeurteilung in der Landwirtschaft“ der Länder Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Koordinator sei das Landesumweltamt Nordrhein-Westfalens mit Sitz in Essen, so die ISN. Das Projekt ziele darauf ab, Grundlagen für ein Beurteilungssystem für Geruchsimmissionen im Umfeld von Tierhaltungsanlagen auf der Basis von so genannten Belastungs- und Belästigungsuntersuchungen zu entwickeln, so die ISN weiter.

Nachdem es zunächst geheißen hatte, im Kreishaus sei dieses Projekt nicht bekannt, räumte Focke gestern ein, dass es doch eine Akte gebe. Erste Vermerke datieren vom 15. September vergangenen Jahres, so Focke, der letzte von Ende Januar. Nach einem Gespräch mit Vertretern des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie habe der Mitarbeiter des Landkreises über die Absichten und Methoden des Projekts notiert: „Weiterhin will man im Rahmen einer verdeckten Befragung, die unter einem anderen Vorwand erfolgen soll, den Belästigungsgrad in der Bevölkerung ermitteln“, zitiert Focke. Und weiter: „Der Landkreis soll die Stadtverwaltung vor der Aktion nochmals in Kenntnis setzen. Allerdings darf die geplante Befragung nicht erwähnt werden.“

„Ich bin empört, wenn staatliche Stellen Bürger unter Vorspiegelung falscher Tatsachen befragen“, machte Focke gestern seiner großen Verärgerung Luft. Und abgesehen von der „unwürdigen“ Art und Weise stellt er auch die Wissenschaftlichkeit solcher „Geruchsproben“ in Frage. Er habe umgehend im Landwirtschaftsamt in Hannover protestiert. Dort habe man für Montag eine Prüfung der Angelegenheit auf Staatssekretärsebene zugesagt.

„Es geht nicht an, die Bevölkerung gar nicht zu unterrichten, und dann auch noch unter einem Vorwand zu befragen“ und damit hinters Licht zu führen, schimpfte Focke: „So etwas will ich nicht.“ Montag will Focke mit seinen Mitarbeitern sprechen.