VECHTA - Nervös? Nein, eigentlich nicht. Jessica Heye verbirgt die Anspannung an ihrem ersten Ausbildungstag als Bäckereifachverkäuferin hinter einem zaghaften Lächeln. Gut geschlafen letzte Nacht? Nein, das nicht so ganz, gibt sie zu und muss lachen. Die 16-Jährige aus Neuenkirchen-Vörden hat am Montag ein neues Kapitel in ihrem Leben aufgeschlagen wie so viele andere Auszubildende an diesem Tag in ganz Deutschland.
Allzu sehr sorgen muss sie sich nicht. Ingrid Bley wacht über jeden Handgriff, weicht ihr kaum einen Meter von der Seite. Jetzt nimmst du die Zange, suchst dir ein schönes Stück Kuchen aus. Dann wickelst du es in Folie... Bei der 58-jährigen Kollegin in der Bäckerei Theilmann sieht alles ganz einfach aus.
Am Morgen Jessicas Tag beginnt um 8 Uhr hat sie beim Einräumen der Ware schon einen Grundkurs über die Brote und deren Inhaltsstoffe absolviert. Sie hat die unterschiedlichen Belage der verschiedenen Brötchen erklärt bekommen. Am Nachmittag spürt sie das stundenlange Stehen schon ein wenig. Ich merke es im Rücken, sagt sie. Bis 18 Uhr muss sie noch durchhalten. Wenn sie gegen 19 Uhr zu Hause ankommt, hat sie einen Zwölfstundentag hinter sich. Wenn ich heute Abend die Füße hochlege, werde ich die Arbeit bestimmt spüren, sagt Jessica.
Ganz neu ist ihr das alles nicht. Vor den Ferien hat sie neben der Schule ein Praktikum in der Filiale in Steinfeld gemacht. Die Arbeitsgarderobe, den Unterschied zwischen Verkaufspreis außer Haus und im Café, all das kennt sie. Jessica weiß, was man von ihr erwartet. Deutsch und Mathematik sind Grundvoraussetzungen, sagt Ingrid Bley. Mathe beim Händeln der Kasse, Deutsch im Ungang mit den Kunden. Eine deutliche Aussprache ist wichtig, sagt Bley. Der Schnack op Platt über den Tresen gehe heute kaum mehr. Ein offenes, geselliges Wesen schadet auch nicht. Eine freundliche Begrüßung ist sehr wichtig, immer nach der Tageszeit. Man muss darauf achten, dass man morgens auch guten Morgen sagt, erklärt Jessica.
Obwohl sie sich mit ihren neuen Kolleginnen wohl fühlt, ist ihr der Abschied von der Haupt- und Realschule in Neuenkirchen nicht leichtgefallen. Ich hätte gern mit meinen Freundinnen die zehnte Klasse gemacht, sagt sie. Dafür verdient sie jetzt ihr eigenes Geld, das sie für ihren Führerschein sparen will.
Und ganz allein ist Jessica schließlich auch nicht. Eine Freundin, die auch Jessica heißt, beginnt in Vechta ihre Ausbildung zur Friseuse. Nächste Woche wollen sie morgens um sieben gemeinsam im Zug sitzen, um in ihr neues Berufsleben zu fahren.
