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NWZonline.de Region

„Zwei oder drei Erden reichen 2050 nicht mehr aus“

03.11.2017

Werner Bakenhus und Wilfried Papenhusen sitzen am Mittwochabend an einem der vier langen Holztische im Saal Sextro. Gespannt sind die Männer aus Großenkneten auf das, was der Abend wohl bringen mag. Sie sind zwei von rund 100 Zuhörern, die auf Einladung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF) nach Vechta-Oythe gekommen sind. Es geht um Vegetarismus und Veganismus, also den Verzicht auf Fleisch oder gar alle tierischen Produkte – und um die Herausforderungen, vor die dieser Trend die (heimische) Wirtschaft stellt.

Rund zweieinhalb Stunden informierten die Experten, darunter Vertreter der Unternehmen Wiesenhof (Visbek) und Rügenwalder Mühle (Bad Zwischenahn) sowie vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) aus Quakenbrück und der Organisation „ProVeg“ über die Entwicklungen des Markts für „Veggie“-Produkte. Besonders Jörg Bunk (Rügenwalder) wies auf die enorme Bedeutung vegetarischer Produkte für die Industrie hin. Je jünger der Verbraucher, desto deutlicher ginge der Trend in Richtung einer vegetarischen oder sogar veganen Lebensweise. Unternehmen müssten sich etwas einfallen lassen, um zukünftig am (Veggie)-Markt zu bestehen. Auch aus diesem Grund hatte sich der bis dato reine Fleischverarbeiter Rügenwalder 2015 entschlossen, vegane Produkte in das Angebot aufzunehmen. Das Ergebnis: eine Absatzsteigerung von rund 48,1 Prozent. Reagieren Unternehmen nicht auf diesen Trend, würden sie schnell vom Markt verschwinden, sagte Bunk. Besonders vor dem Hintergrund einer bis 2050 prognostizierten Weltbevölkerung von rund neun Milliarden Menschen: „Dann reichen sogar zwei oder drei Erden nicht aus, um den Hunger auf Fleisch zu stillen.“

Produkt-Kritik und Warnung vor Folgen

Werner Bakenhus: „Ich ernähre mich seit 1990 vegetarisch oder vegan, habe aber Fleischersatzprodukte so gut wie nie gekauft“, sagt der Mann aus Großenkneten. Die Produkte würden nicht schmecken und interessierten Veggie-Neulingen die Lust auf eine vegetarische oder vegane Ernährung vermiesen.

Wilfried Papenhusen: „Die Kosten, auch im Bereich der Umwelt, die die Massentierhaltung und fleischverarbeitende Industrie derzeit zu Großteilen verursacht, werden unsere Kinder und Enkelkinder tragen müssen.“ Irgendwann könnten die aber nicht mehr getilgt werden, warnt Papenhusen.

Anders sieht das Dr. Ingo Stryck (Wiesenhof). Das Interesse für vegetarische und vegane Produkte stagniere seit gut einem Jahr. Auch, weil Kunden die Inhaltsstoffe der Produkte stärker hinterfragten und Probierkäufe abnähmen. Seine Empfehlung sei eine ausgewogene Ernährung, in der auch Fleisch als Proteinlieferer seinen Platz findet. Trotzdem setze Wiesenhof auch weiter auf vegetarische Produkte, um der Nachfrage der Verbraucher zu entsprechen.

Dass die Lösung einfach „auf dem Teller liegt“, sagte Matthias Rohra von „ProVeg“. Bis 2040 wolle die Organisation den Konsum von Fleisch um 50 Prozent senken und sich für einen bewussten Konsum stark machen. Ein ehrgeiziges Ziel, denn: „Die Gefahr für vegetarische Ersatzprodukte besteht im Vergleich mit dem Original, also mit Fleisch. Dazu wird der Konsument durch die mangelnde Qualität vieler Ersatzprodukte abgeschreckt“, sagte Rohra. Aber: „Ein Rückgang der Nachfrage ist für die Zukunft nicht zu erwarten.“

Nach Ansicht von Dr. Volker Heinz (DIL) mache Fleisch nur einen geringen Teil der weltweiten Ernährung aus. „Wir sollten uns über etwas anderes Gedanken machen, als um den Verzicht auf Fleisch.“ So etwa um alternative Proteinquellen wie Hülsenfrüchte oder Insekten.

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